Alte Stahlyacht auf neuer Fahrt mit Götz und Anne

Von Muros nach Seixal (Lisboa)

Nach unserem nächtlichen Schlag von La Coruna rund Kap Finisterre nach Muros wollten wir uns ein wenig die Beine vertreten was jedoch am Dauerregen scheiterte. Davon abgesehen ist Muros aber eine sehr schöne kleine und alte Stadt mit sehr engen Gassen.

Am nächsten Morgen ging es zeitig nach Portonovo im Ria Pantaverde (Rias sind im Spanischen Flussmündungen, welche mehr oder weniger große und mehr oder weniger geschützte Naturhäfen bilden, ähnlich Haff oder Bodden) um Capitàn Luis zu treffen, einen Bekannten von meiner letzten Tour und ganz lieben Menschen. Luis lebt schon immer am Ria Arosa oder am benachbarten Ria Pontaverde, wo seine Eltern herstammen und wo er mit Tagesgästen auf seiner Segelyacht Reina de Africa seinen Lebensunterhalt verdient. Kaum angelegt wurde sich ausgiebig umarmt und ab ging es in die erste Bar, dann in drei weitere (in der letzten wurde die Vorspeise eingenommen) und dann um 23h – bereits ganz leidlich angetrunken – ins Restaurant. Ganz schön harte und ungewohnte Methode, erst trinken, dann essen …  Es war ein wunderschöner Abend, welcher am nächsten Tag mittags seine Fortsetzung in der Bar fand bevor wir dann am Abend (nüchtern) weiter gesegelt sind um am nächsten Abend Oporto zu erreichen, das heißt genau genommen Leixoes, den benachbarten Hafen von Oporto, da es wesentlich billiger ist dort zu liegen.

Am nächsten Morgen ging es mit Picknick im Rucksack mit dem Bus nach Oporto, einer wunderschönen zur Zeit etwas abgeranzten und architektonisch sehr stark vom Jugendstil geprägten Stadt. Früher war Porto die Stadt des Geldes, der Finanzen und Firmensitze während Lissabon das sympathische runtergekommene Armenhaus mit Flair war. Mittlerweile hat Lissabon Dank Weltausstellung und boomendem Stadttourismus Porto den Rang abgelaufen, der Glanz Portos bröckelt merklich, was allerdings dem Charme und dem Flair der Dourometropole nur gut tut. Der Douro, welcher seinen Flusslauf tief in die Felsen eingeschnitten hat und die Stadt von Ost nach West durchfließt, um im Westen der Stadt in den Atlantik zu münden ist das alles beherrschende Element genauso wie die Brücken, welche die beiden Ufer verbinden, besonders das von Gustave Eiffel gebaute Exemplar. Lasst einfach die Bilder auf euch wirken …

Abends ging es dann weiter durch die Nacht die 68 sm nach Figueira da Foz – „Der Feigenbaum an der Flussmündung“– wo wir morgens ankamen. 

Am Nächsten Tag ging es dann nach Peniche, wo uns schon der Lärm eines Festivals im Hafengelände erwartete. Hier gibt es eine alte Festung, in welcher sich unter dem Salazar Regime ein Gefängnis für politische Gefangene befand. Die heute dort zu sehende Ausstellung auch über die Ereignisse rund um die Nelkenrevolution ist sehr interessant aber zur Zeit leider geschlossen. Ansonsten bleiben speziell der Krach des Festivals ein riesiges Rummel-Gelände ohne Besucher und die erbarmungslose Sonne und damit einhergehende Hitze in Erinnerung.

Am nächsten Abend ging es dann Richtung Tejomündung und Lissabon. Wir haben aber nicht in Lisboa sondern gegenüber in Seixal, einem halbwegs verschlafenen Städtchen in welchem seit der Nelkenrevolution in den 70ern die Kommunisten das Sagen haben auf der anderen Seite des Tejo festgemacht. Gestern Abend waren wir mal im Restaurant essen, was wir nur sehr selten tun, aber es war vorzüglich! Ein kleines Straßenrestaurant, wo der Grillmeister den Fisch und das Fleisch auf zwei Grills auf der Straße grillte. Anne hatte einen Wolfsbarsch und ich gegrilltes Hähnchenfilet dazu einen Liter Vinho Verde vom Fass und wir gingen mehr als gut gesättigt abends in die Koje.

Da man nur zwei Nächte am kommunalen Steg liegen darf ankern wir jetzt hundert Meter weiter und schreiben im Cockpit bei immer noch angenehmen 24°C und einem Lüftchen unsere Eindrücke für euch auf. 

Der Wassertank ist gefüllt, der Dieseltank für alle Fälle ebenfalls, Essen haben wir gestern geholt und jetzt kann es am Freitag morgens mit dem Hochwasser Richtung Madeira gehen, ca. 600 sm mit einem kleinen Bogen Richtung Casablanca inklusive, welchen wir machen, um dem Starkwindgebiet mit ca. 35 Knoten westlich Portugals aus dem Weg zu gehen. Dieses hat sich durch das Zusammenspiel von Azorenhoch und Hitzetief über Spanien gebildet und pustet ganz ordentlich durch die dadurch entstandene Düse. Wenn alles gut läuft, sollten wir pünktlich zur Familienzusammenführung am 10. August in Funchal auf Madeira sein, es kann aber auch ein paar Tage länger dauern …

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