Alte Stahlyacht auf neuer Fahrt mit Götz und Anne

Gambia Teil 3

Auf dem Gambia River von Banjul nach Balingho

Morgens geht es mit der Flut den Gambia River hinauf. Der Gambia River ist einer der großen Ströme Afrikas, wenn auch bei weitem nicht der Größte. Immerhin transportiert er mehr Wasser als alle großen deutschen Ströme zusammen und ist im Bereich seiner Mündung so breit, dass man von der Mitte aus keines der beiden Ufer sehen kann. Wir haben anfänglich eher das Gefühl auf dem Meer denn auf einem Fluss zu sein. Der Fluss ist etwa gut 160 nm schiffbar und die Tide schiebt gut die Hälfe der schiffbaren Strecke mit 2–3knt. Man fährt also sinnigerweise, wenn der Strom von hinten kommt, also mit der Flut hoch und mit dem Ebbstrom runter. Das erste Tagesziel heißt ankern im Bintangbolong. Bolong nennen sie hier die Nebenarme. Einige davon haben von ihrer Wassermasse her fast schon das Kaliber von Elbe oder Rhein. Die Ufer sind, mit ganz wenigen Unterbrechungen, durchgehend von Mangroven gesäumt. Die Tierwelt oberhalb des Wasserspiegels beschränkt sich auf diesem ersten Stück des Gambia weitestgehend auf Vögel. Diese sind allerdings in unglaublicher Anzahl und Vielfalt vertreten. Wir haben wohl noch nie so viele und verschiedene Vögel, speziell Raubvögel gesehen. Die Spanne reicht vom Afrikanischen Fischadler bis zum Pelikan. Hinter den Mangroven tauchen immer öfter Baobab Bäume mit ihren typischen, riesigen Früchten auf. Allerdings hat sich der Harmattan immer noch nicht ausgepustet, so dass die Sicht nicht übermäßig berauschend ist.

Am dritten Abend kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir Balingho, wo schon mein Freund Menata und der Alkalo (Bürgermeister) auf uns warten. Wir rufen rüber, dass wir erst noch den Anker ausbringen müssen und total kaputt sind und morgen früh an Land kommen. Am nächsten Morgen sind sie um 7 Uhr bereits wieder am Ufer und warten. Also ab ins Schlauchboot und kurz an Land, umarmen, begrüßen …  Dann aber erstmal zurück an Bord zum frühstücken. Als wir nach dem Frühstück an Land gehen treffen wir meinen anderen Freund Ousmane, auch Ansu genannt, dessen Neffen mich in Banjul wiedererkannt und uns in Balingho bereits angekündigt hatten.
Wer sich über Ousmanes Aufzug mit Wollmütze und dicker Jacke wundert – in Gambia herrscht gerade die sogenannte Kaltzeit. Das ist der Beginn der Trockenzeit, in der die Temperatur für ungefähr zwei Monate Morgens auf sehr angenehme 16–20 Grad runtergeht. Da das Thermometer tagsüber auf um die 37 Grad klettert, ziehen selbst wir morgens ein Jäckchen über 🙂

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