Alte Stahlyacht auf neuer Fahrt mit Götz und Anne

Pest an Bord

Von Gambia nach Kap Verde

Nach dem Abschied von Ousmane fuhren wir noch für ein „paar Tage“ zurück nach Lamin Lodge zum „Urlaub“ machen; Baden, mal Essen gehen, faulenzen standen auf dem Programm. Nach einem schönen Abend bei dem wir uns von den anderen Seglern und den Leuten vor Ort verabschiedet haben, ging es nach Banjul zum Ausklarieren und Abreisen. Da der Wind genau auf die Fahrrinne in der Flussmündung stand, hieß das erst einmal tuckern. Nach ca. vier Stunden ging plötzlich der Motor aus – also erstmal Segel hoch. Schnell war klar, der Motor bekommt keinen Diesel – der Filter ist dicht. Raus aus der Fahrrinne und ankern. Nach dem Filterwechsel war klar – wir haben die Dieselpest an Bord. Mit etwas gesenktem Kopf und dieselverschmiertem Cockpit fuhren wir am nächsten Tag zurück nach Banjul um wieder einzureisen. Bei der Einreisebehörde saß schon eine italienische Crew, welche nur ein paar Stunden vor uns losgefahren war und ebenfalls Maschinenprobleme hatte. Das gab großes Gelächter auf allen Seiten – geteiltes Leid ist halbes Leid. Zurück in Lamin Lodge ging die große Dieselmanscherei los. Ausbau des Tagestanks, Reinigung des gesamten Kraftstoffsystems, Filtern des Diesels und Behandlung mit Mittel gegen Dieselpest. Das ganze Boot stank nach Diesel … 

Der Drecksjob für den Skipper
Ich halte mich an die filigraneren Aufgaben, wie das Malen der neuen Gastlandflaggen.


Am 23.03. sind wir dann endlich los Richtung Kap Verde. Die Überfahrt war bei 20, in Böen bis 30kt Wind recht ruppig und die kurze, steile Welle (3m bei 5sec Wellenperiode) tat ihr übriges, um die arme Anne an Seekrankheit leiden zu lassen. „Auf den Kapverden kann man mit dem Boot nur in Praia, Mindelo und Sal einreisen.“ – so steht es überall. Praia und Mindelo sind Orte in denen ich damals schon war, dass mit Sal allerdings nicht ein Ort sondern die Insel Sal gemeint war, hatten wir verpeilt, als wir uns Sal Rei auf Boavista näherten und nach Einbruch der Nacht den Anker warfen. Am nächsten Tag sind wir dann gleich zur Policia Maritima um einzuklarieren. Dort begrüßte man uns mit der Frage: Portugues, Espanol, Francaise or Englisch? Welcher deutsche Polizist bietet einem vier (!) Sprachen zum Verhandeln an? Die beiden Polizisten waren übrigens die nettesten Polizisten welche wir in unserem Leben getroffen haben. Nein, einreisen können wir hier nicht, aber das ist kein Problem, das können wir in Mindelo nachholen und wir können ruhig ein paar Tage hierbleiben und uns alles anschauen. So blieben wir denn eine Woche toleriert illegal auf Boavista und ließen den Kulturschock nach fast vier Monaten Gambia sacken: Befestigte Straßen, eine halbwegs funktionierende Müllentsorgung, Essen mit Messer und Gabel von Keramiktellern, Autos die weniger als 20 Jahre alt sind, kein „Toubab, Toubab!“ …  Der Ankerplatz war allerdings so unruhig – gruselig rundherum in 100 bis 200 m Abstand brechende Wellen zu sehen –, dass wir dann weiter nach Mindelo segelten, zwischenzeitlich dank der Fallwinde und Düsen zwischen den Inseln mit für uns sehr ungewöhnlichen bis zu 8,5kt. Jetzt liegen wir in Mindelo am Steg in der Marina und sind legal im Land und erkunden die Stadt, welche sich in den 10 Jahren seit meinem letzten Besuch doch sehr verändert hat. Ein wenig basteln am Boot gehört natürlich auch dazu und die nächsten Tage planen wir einen Wanderausflug auf die Nachbarinsel Sao Antao; Überfahrt mit Fähre, da es dort keine sicheren Ankerbuchten gibt. Nach der Rückkehr gibt es mehr und hoffentlich tolle Fotos. 

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