Alte Stahlyacht auf neuer Fahrt mit Götz und Anne

Kap Verde

Auf der Suche nach Grün

Obwohl sie das Grüne Kap genannt werden, sind die Kapverdischen Inseln doch alles andere als grün. Die Temperaturen übersteigen zwar selten die 30 Grad, aber es herrscht einen Großteil des Jahres absolute Trockenheit, Aussicht auf Regen gibt es nur im August und September. Frischwasser muss mit einem hohen Aufwand an Energie aus Meerwasserentsalzung gewonnen werden und ist deshalb kostbar und teuer. Leitungsnetze gibt es kaum; und so hat jedes Haus seine eigene Zisterne, die mit Wasser aus dem LKW gefüllt wird. Eine Ausnahme zu den kargen, braun-grauen Landschaften der übrigen Inseln, bildet Santo Antão. Der Nordosten der Insel ist, bedingt durch die hohen Berge an denen die Wolken hängen bleiben, relativ regenreich und deswegen viel grüner. Also ließen wir unser schwimmendes Zuhause im Hafen und fuhren mit der Fähre für fünf Nächte auf die Nachbarinsel.

Zum Einstieg hatten wir uns für zwei Nächte ein Zimmer in einem Gästehaus in Espangeiros auf gut 1400m Höhe gebucht. Auf Hochwandern hatten wir keine Lust, also nahmen wir eines der Sammeltaxis (Colectivos) und ließen uns in gemächlichem Tempo hochfahren. Hier und da stiegen noch Gäste dazu, an der einen Haustür wurde ein Ladekabel übergeben, an der nächsten eine Tüte mit Einkäufen ins Auto gepackt … In der Unterkunft wurden wir von Alain, dem französische Inhaber, begrüßt. Er spricht sehr gut Englisch und ist begeisterter Bergwanderer und Mountainbiker und diesbezüglich eine sehr gute Informationsquelle. Erst dachten wir, dass es an der französischen Leitung der Herberge liegt, dass außer uns nur Franzosen da waren. Später merkten wir, dass uns sowohl Einheimische als auch Touristen fast ausschließlich auf französisch begrüßten. Auf die Kap Verden verirren sich wohl nur wenige nicht-französische Touristen.

Nach einigen Kurzausflügen rund um Espangeiros beschlossen wir, eingedenk unserer Rucksäcke – wir waren mit Zelt, Schlafsack, Isomatte und einigen Litern Wasser angereist – die beiden sehr steilen Abstiege ins Paultal bzw. ins Tal von Ribeira Grande lieber nicht in Angriff zu nehmen. So beschlossen wir denn, erst ein Stück der alten Pflasterstraße zu nehmen und dann im Dorf Corda auf den betagten aber gut erhaltenen Esels-Handels-Weg abzubiegen, der hinunter in den Ort Coculi führte. Wie sich zeigte eine gute Entscheidung, denn unsere Waden waren durch das Bordleben und das flache Land in Gambia arg geschrumpft. Bei durchschnittlich 20–30% Gefälle fing es denn auch zeitnah an, von den Waden bis in die Oberschenkel zu ziehen. Am frühen Nachmittag trafen wir dann auf ca 1000m Höhe auf die Ruine eines alten Gehöfts und stellten unser kleines Zelt windgeschützt durch die Reste der Außenmauern auf dem gepflasterten Boden des „Wohnzimmers“ auf. Die Bereitung des Nachmittagskaffees über offenem Holzfeuer erwies sich als nicht ganz leichte und stark qualmende Angelegenheit. Zwar ist der Boden staubtrocken, doch der starke Tau lässt das wenige zu findende Brennholz nie richtig trocknen. Apropos Holz, verholzende Pflanzen wachsen hier kaum. Die Vegetation besteht aus Gras, kleinen Stauden, Wandelröschen, riesigen Yuccas mit ihren über 5m hohen Blütenständen, dazwischen immer wieder kleine und kleinste Felderchen mit Bananen, Bohnen, Paprika, Süßkartoffeln oder auch Mangobäumen und Cassawasträuchern. Gegen Abend kam ein Bauer des Weges, der uns erst freundlich grüßte und dann eine 10l Flasche mit schwarzgebranntem Rum (Grogue de Cana, wie er hier genannt wird) aus seinem Rucksack holte. Wir sollten unbedingt kosten, keine Widerrede und unsere Tasse wurde bis zur Hälfte gefüllt. Das Zeug hatte gut über 50%, aber mehrmals mit Cola gestreckt ging es und wir wurden auch nicht blind …

Morgens ging es dann in endlosen Serpentinen weiter runter ins Tal, das Gelände wurde langsam etwas weniger steil, die Landwirtschaft intensiver, die dafür terrassierten Flächen größer und es tauchten immer mehr Häuser auf bis wir schließlich Coculi erreichten. Hier schloss sich uns für die nächsten 5km ein Hund an, wahrscheinlich in der Hoffnung auf mehr als das alte Brötchen, welches er dankbar runtergeschlungen hatte. Am Ortseingang von Ribeira Grande gönnten wir uns ein Mittagessen in einem Restaurant und dann im Ort für zwei Nächte ein Zimmer in einer Pension. 

Am nächsten Tag besuchten wir das in südlicher Richtung nächste Tal – den Tip hatten wir von Max erhalten, welchen wir in Mindelo kennengelernt hatten. Zunächst hat man den Eindruck, man betritt einen staubtrockenen Steinbruch ohne jegliches Leben doch hinter der ersten Kurve wird es plötzlich saftig grün. Man läuft über Stützmauern von Feldern, balanciert auf schmalen Rändern von Levadas und klettert über Felsbrocken. Dabei ist man umgeben von Bananenstauden, Zuckerrohr, Süßkartoffeln und beschattet von beeindruckenden Brotfruchtbäumen, Cashew- und Mangobäumen. Ermöglicht wird das ganze durch einen winzigen Bach von dem jeder Tropfen Wasser intensivst genutzt wird und durch unglaublich viel Arbeit der Bauern.

Zurück in Mindelo hieß es dann unsere Antlantiküberquerung vorzubereiten und für ausreichend Proviant zu sorgen. Das ist hier gar nicht so günstig. Die Preise für Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs liegen im Schnitt etwas über deutschem Niveau, sind manchmal aber auch deutlich teurer. Einheimische Waren wie Obst, Gemüse, Brot sind im Allgemeinen etwas günstiger. Zwar gilt Cabo Verde als eins der wohlhabendsten Länder Afrikas und hat eine stabile Demokratie. Das Durchschnittseinkommen liegt aber nur bei rund 200€ – von rund 100€ für ein Zimmermädchen im Hotel bis zum spitzenverdienenden Mediziner mit Auslandsstudium und rund 750€. Mit diesen Einkommen sind die meisten Waren in den Supermärkten der absolute Luxus.
Neben Lebensmitteln brauchten wir auch noch Holz, um ein neues Pendelruder für unsere Windfahnensteuerung zu bauen – das war auf der Überfahrt von Gambia geknackt. Beim Holzhändler hatten wir dann die Wahl zwischen Presspappe, OSB-Platten und Mahagoni … So hat Götz dann das Pendelruder aus 25mm massivem Mahagoni gebaut. Das Brett, groß genug für drei Pendelruder, kostete 10€.

Ein paar Tage bevor wir dann los wollten, startete Götz dann Testweise den Motor (immerhin lagen wir ja nun schon vier Wochen im Hafen, man weiß ja nie) und es passierte … nix. Das blöde Ding sprang nicht an. Immer noch die Dieselpest? Ein Anruf bei unserem Freund Peter in Leipzig, neben dem praktischer Weise gerade auch noch ein KFZ-Mechaniker saß, ergab, das Problem ist der Anlasser. Der Profi hat’s sofort am Geräusch erkannt! Böse Erinnerungen an Madeira und wochenlanges Warten auf Ersatzteile kamen auf. Aber diesmal hatten wir Glück. Im zweiten Anlauf hat Götz das Ersatzteil in einem Laden in Mindelo bekommen. Einen Tag, diverse festgerottete Schrauben und einen renitenten Sprengring (dem nur mit vereinten Kräften beizukommen war) später, war der Anlasser repariert 🙂

Jetzt ist fast alles erledigt und die lange Überfahrt nach Brasilien kann am Freitag losgehen. Vor uns liegen knapp 2000nm (3700km), die innertropische Konvergenzzone mit ihren Flautengebieten und zu dieser Jahreszeit über 30°C Wassertemperatur, ach ja, und eine Äquatortaufe. Wir rechnen mit ca. 4 Wochen für die Überfahrt und melden uns dann im Juni aus Brasilien.  

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