Alte Stahlyacht auf neuer Fahrt mit Götz und Anne

Ankommen in Brasilien

von Tamandaré nach Maceió

Die Ankunft in Tamandaré begann mit der ersten Durchfahrt meines Lebens durch ein Korallenriff; allerdings war die Durchfahrt sehr breit und insofern problemlos. Der Anker fiel und wir waren erst einmal breit, müde und wussten nicht was wir zuerst machen sollten. Die Wahl fiel auf schlafen …

Am nächsten Tag sind wir dann durch die Brandung mit dem Dinghy an den Strand und machten uns auf den Weg in den Ort. Tamandaré ist eine Kleinstadt im Bundesstaat Pernambuco mit eher dörflichem Charakter. Es gibt ein altes Fort, einen berühmten endlos langen Sandstrand gesäumt von Kokospalmen und einem Campingplatz mit selbstgebauten Wellblechhütten. Alles wirkte friedlich und verschlafen – genau der richtige Einstieg nach 24 Tagen auf See.

Zuerst brauchten wir Bargeld und eine brasilianische sim-Karte fürs Telefon. Zur sim-Karte kamen wir erst eine Woche später und mit sehr viel Glück. Bargeld stellte sich als großes Problem heraus. Die Banco do Brasil gibt an ihren Automaten nur Geld an ihre Kunden raus, auch am Schalter Fehlanzeige. Die Bradesco Bank gibt Geld nur an den Automaten, aber die waren beide kaputt. Die nächste Bank war über 100 km entfernt. Im Supermarkt konnten wir mit Kreditkarte zahlen und waren mit dem Angebot erst einmal überfordert. Nach Wochen auf See wird es nämlich etwas eng mit Frischzeug, nur ein paar Tomaten hatten bis zum Schluss überlebt. Hier lagen jetzt die Früchte des tropischen Südens vor uns ausgebreitet. Am nächsten Tag ging es wieder mit dem Schlauchboot an Land. Allerdings war die Anlandung dank einer stärker gewordenen Brandung etwas unsanft mit umgefallenem Schlauchboot und Paddeln, die wegzuschwimmen drohten. Offensichtlich etwas verloren und immer noch ohne Bargeld saßen wir dann auf dem Dorfplatz und überlegten unsere nächsten Schritte. Eine total nette Frau vom Kunstgewerbemarkt sprach uns an und fragte ob wir Hilfe brauchten. Dazu zückte sie gleich ihr Handy mit Übersetzungs-App, denn Englisch sprechen die wenigsten in Brasilien. Sie selbst hatte zwei Jahre Englisch in der Schule gehabt aber alles vergessen. Ihr Freund versuchte sogar noch jemanden für uns zu finden, der Englisch sprach, allerdings erfolglos. Unser stümperhaftes Portugal-Portugiesisch verstand man zwar aber wir verstanden die Antworten auf Brasilianisch überhaupt nicht. Was wir dann allerdings am nötigsten brauchten war Diesel, denn der Wind stand immer noch auf Richtung aus SSW. An der Tankstelle konnte man mit Karte Zahlen aber die Tanke war ein paar Kilometer entfernt am Stadtrand und die Taxifahrer nahmen keine Karten. Dann die erlösende Idee, den Taxifahrer mit Benzin zu bezahlen, welches wir wiederum mit Karte bezahlen konnten. Einer fand sich, der sofort auf den Deal einging, statt Geld 10 Liter Benzin zu nehmen (wie wir später erfuhren, hatten wir ihn damit dreimal überbezahlt, aber uns war geholfen und er half sogar, den Sprit über den Strand zum Schlauchboot zu tragen.). Dort saßen wir dann eine ganze Weile, bis Anne wieder genug Mut zusammen hatte, um durch die Brandung mit 70 Litern Diesel zurück zu fahren. Nach drei Tagen Tamandaré und diversen Squalls vor Anker ging es dann weiter nach Maceió.

Maceió (Ihr habt noch nie davon gehört? Wir vorher auch nicht.) ist eine Millionenstadt und Hauptstadt des Bundesstaates Alagoas. Sie hat einen kleinen Industriehafen in dessen Einfahrt der erste empfohlene Ankerplatz für Sportboote ist – Wahnsinn! Der zweite empfohlene Ankerplatz liegt neben dem Mooringsfeld der Fischerboote in so flachem Wasser dass wir nur dank unseres Swingkiels dort ankern konnten – bei Niedrigwasser 1,40 m! Gegenüber am Ufer befindet sich der örtliche „Yachtclub“. Die Boote, meist Motorboote liegen an Land und werden bei Bedarf mit Hilfe eines Treckers und Hydraulikwagens ins Wasser gesetzt. Dort konnten wir unser Schlauchboot sicher unterstellen und auch Frischwasser holen und unseren Müll entsorgen. Erst einmal wollten wir ordnungsgemäß einklarieren, in Tamandaré war das nicht möglich, da es kein Port of Entry ist – dort waren wir sozusagen illegal. Normalerweise bedeutet einklarieren in Brasilien, vier Ämter aufzusuchen – so hatten wir es vorher recherchiert. Beim letzten, der Policia Federal, gibt es dann als krönenden Abschluss den Einreisestempel in den Pass. Die Policia Federal befand sich direkt am Hafen, also klopften wir dort ans Tor um zu fragen wo die verschiedenen Ämter sind und in welcher Reihenfolge wir diese aufsuchen sollen. Dort schickte man uns zu ihrer Zentrale im Stadtzentrum. Nach einer halben Stunde warten und kauderwelschen auf Portugiesisch, durchsetzt mit ein paar Brocken Englisch hatten wir den Stempel im Pass! Nein, wir müssen nirgendwo anders hin, das wars …   Wahnsinn, hatten wir ein Glück! Nun das zweite Problem, eine sim-Karte fürs Handy; das sollte wesentlich schwieriger werden. Nachdem wir den halben Tag erfolglos im Stadtzentrum herumgeirrt waren, schlug Anne vor, in ein Einkaufszentrum zu fahren, wo die Telefonfirmen meist einen Laden haben. Der erste Netzbetreiber sagte ganz direkt: Ohne brasilianische Adresse/Ausweis keine sim-Karte. Aber wir sollten doch einen anderen Anbieter versuchen. Dort trafen wir auf Leandro, unser erster Brasilianer der Englisch sprach, und sogar sehr gut. Der meinte, es gäbe da einen Trick bei der Registrierung und nach einer Stunde hatten wir eine sim-Karte, normalerweise für Estrangeiros (Ausländer) ein Ding der Unmöglichkeit. Außerdem stellte sich heraus, dass Leandro ausländische sim-Karten sammelt – da konnten wir ihm gleich noch eine Freude machen. Dann kauften wir bei der Gelegenheit noch ein paar neue Vorräte ein – in Erinnerung geblieben sind Brotchips, die geschmacklich den Eindruck vermittelten man beiße in eine Scheibe Porc Salami.

Es folgten vier Tage Kampf mit schier endlosen Squalls und meist Wind aus der falschen Richtung bis wir Salvador de Bahia, die alte Hauptstadt Brasiliens, 260nm die Küste runter erreichten.

Das war der erste Teil unserer Reise entlang der brasilianischen Küste. In den ersten Wochen hatten wir wenig Muße zu fotografieren – das ändert sich ab Salvador!

Zu guter Letzt einen ganz lieben Dank an Jutta für die großzügige Spende! Wir müssen dringend unser arg gebeuteltes Schlauchboot ersetzen – das fällt jetzt leichter 🙂

2 Antworten zu „Ankommen in Brasilien”.

  1. Liebe Anne, alles Liebe zum Geburtstag nachträglich!!! Und wieder und wieder danke für Eure tollen Reisebeschreibungen. Hier in old Berlin ist alles wie immer. Arbeit und so… 🙂 Ganz liebe Grüße aus der Heimat von Michi

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    1. Danke, liebe Michi! Wenn alles wie immer ist, ist das ja auch ein bisschen beruhigend. Wir ankern jetzt noch ein paar Tage unterm Zuckerhut in Rio de Janeiro und machen uns dann langsam auf den Weg Richtung Uruguay. Ganz liebe Grüße aus der Ferne!

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