
Salvador, die Hauptstadt des Bundesstaates Bahia, liegt mit seinen knapp 3 Millionen Einwohnern an der Baía de Todos os Santos – der Allerheiligenbucht – angeblich die zweitgrößte Meeresbucht Südamerikas (wie auch immer der Begriff Meeresbucht definiert wird). Dort machten wir in der Marina Terminal fest. Den Tip mit dem Hafen hatten wir von Yann, unserem bretonischen Freund den wir auf Madeira kennengelernt und später auf La Gomera wieder getroffen hatten. Dominique, der französische Hafenmeister begrüßte uns am Steg und fragte später im Büro bei der Anmeldung nach den Einreisepapieren. Etwas unsicher gaben wir zu, dass wir nur den Stempel im Pass haben. Laut der Policia Federal in Maceió war mehr ja auch nicht nötig … Er schlug die Hände vors Gesicht: Ihr seid noch gar nicht richtig eingereist, das Boot ist noch illegal im Land, etc. Es folgten eineinhalb Tage Papierkrieg und Ämtergänge obwohl es in Salvador ein Modellprojekt gibt, so dass man eigentlich nur zu einer Stelle muss. Dort sitzt Ramon, der Englisch spricht und sehr hilfsbereit ist, in einem gemütlichen Büro, das so gar nicht nach Amt sondern wie ein Ausstellungswohnzimmer bei Ikea aussieht. Aber die brasilianische Bürokratie ist allmächtiger als der Allmächtige selbst (Inzwischen, 4 Monate später haben wir schon einen ganzen Ordner voll Papier.). Die Marina Terminal ist mit ca. 18€/Nacht die einzige bezahlbare in Salvador; die Nachbarmarina beispielsweise kostet über 100€ die Nacht – man will wohl unter sich bleiben … Generell schwanken die Marinapreise in Brasilien zwischen 0€ und weit über 100€ pro Nacht. Es ist ein Land mit riesigen sozialen Gegensätzen und die Reichen und Superreichen wohnen hinter meterhohen Zäunen mit Wachschutz und fliegen sehr gern mit dem Hubschrauber zur Luxusyacht. Solche Leute wollen natürlich nicht „Gefahr laufen“, dass die Planitzer neben ihrer fetten Motoryacht im Hafen liegt … Apropos Motoryacht, die Brasilianer sind alles andere als eine große Seglernation. Über 90% der Boote hier sind Motorboote und in Yachtclubs liegt die Quote noch bei 70%. Die meisten Segelboote sind nicht mehr ganz frisch und auch nicht gerade riesig. Eine zehn Jahre alte 40-Fuß-Yacht ist da schon das Flaggschiff. Dafür halten die Segler aber zusammen und man kann meist günstig bei so einem Iate Clube unterkommen.
Salvador war die erste? Hauptstadt Brasiliens und gilt als afrikanischste Stadt des Landes. Ein großer Teil ihrer Einwohner sind Nachkommen der aus Afrika als Sklaven verschleppten Menschen und die haben ihre Spuren in der Küche, der Religion, der Musik hinterlassen. Außerdem hat Salvador nach Rio den zweitgrößten Karneval des Landes und auch außerhalb der Saison ist der Samba in den Straßen unüberhörbar. Unsere Marina liegt im alten Hafenviertel Comércio. Hier überwiegt eine Mischung aus zerfallendem und – seltener – restauriertem Jugendstil und neueren Hochhäusern, welche ebenfalls zum Teil schon zerfallen bzw. von der Natur wieder überwuchert werden. Interessanterweise ließ man bei den maroden Jugendstilgebäuden zumindest die Fassade stehen, so dass man später mal den Rest im Rahmen einer Totalsanierung ergänzen kann. Was es dort nicht (mehr) gibt, ist irgendeine Form von Lebensmittelgeschäft so das wir alle paar Tage mit dem Uber – die Preise sind günstiger als bei uns zu Hause der ÖPNV – zum Einkaufen fahren müssen. Leider hat Salvador, wie die meisten brasilianischen Großstädte, eine sehr hohe Kriminalität und gerade das Hafenviertel ist mit Vorsicht zu genießen. Unter der Woche, während der Geschäftszeiten, kann man sich relativ sicher fühlen. Aber sobald es dämmert (gegen 17 Uhr) und die Büros, Läden und Imbisse schließen, leeren sich die Straßen abrupt und die Schritte der Leute werden schneller und zielstrebig. Wer arm ist fährt mit dem Bus in die Favelas am Stadtrand, wer ein bisschen mehr Geld hat wohnt vielleicht in einem Hochhaus-Appartment mit Concierge und die Reichen wohnen in weiträumig abgesperrten Gated Communities mit Wachschutz. Der gefühlt häufigste Job in Brasilien ist Wachmann. Oft hat man das beklemmende Gefühl, jeder hat Angst vor jedem.





Salvador ist in einen schmalen Streifen Unterstadt, die sich an der Küste lang zieht und von einer Steilwand begrenzt wird und eine Oberstadt geteilt. Will man vom Hafen nach oben in die historische Altstadt Pelourinho gibt es neben der Straße in steilen Serpentinen auch zwei Fahrstühle. Der schöne Art Deco Fahrstuhl direkt am Hafen war leider wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Die dritte Möglichkeit ist die alte Standseilbahn, Plano Inclinado genannt – eine Fahrt kostet umgerechnet ca. 3 Cent. Ein betagtes Wunderwerk der Technik längst vergangener Zeiten. Alle diese Optionen bestehen nur zwischen 8 und 17h30, am Wochenende noch kürzer oder gar nicht. Dann bleibt nur das Taxi.








Hierher nach Salvador sollte auch meine (Annes) Schwester Tine kommen. Wir hätten es auch zum eigentlich vereinbarten Treffpunkt Rio de Janeiro geschafft, aber das wäre arg stressig geworden und wir hatten gerade beschlossen, langsamer zu reisen. Lieber vieles richtig kennenlernen als alles nur im Vorbeifahren. Da Tine nicht gerade als bootsaffin zu bezeichnen ist, wollten wir uns die Allerheiligenbucht mit ihren vielen Inseln schon vor ihrem Eintreffen mal anschauen, um dann die entsprechenden Ziele für den mehrtägigen Bootsausflug entsprechend auszuwählen. Bei der Gelegenheit fand sich auch ein Strand zum Trockenfallen. Unser Unterwasserschiff hatte eine Reinigung und neues Antifouling dringend nötig. Die Seepocken saßen flächendeckend am Rumpf – kein Wunder, dass wir noch langsamer als gewöhnlich waren.








Die Begrüßung am Flughafen war dann auch sehr emotional. Aber nach über 20 Stunden Anreise, reichte Tines Energie dann gerade noch für ein spätes Abendessen im Restaurant in der Altstadt. Zurück in der Unterkunft mussten aber auf jeden Fall noch die mitgebrachten Bücher, DVDs und Ersatzteile ausgepackt werden. Endlich ein neues Dieselfiltersystem. Bei unserem war das Schauglas gebrochen und ein neues war hier einfach nicht zu bekommen. In den folgenden Tagen wurde die Stadt erkundet aber auch morgens in Ruhe an Bord beim ausgedehnten Frühstück geschnackt – wir hatten uns schließlich ein ganzes Jahr nicht gesehen.






Das Viertel war so eine Mischung aus Schöneberg und Zehlendorf – die Villen werden hier mit Natodraht und hohen Mauern geschützt.










Nach ein paar Tagen ging es dann auf eine mehrtägige Bootstour mit der Planitzer. Erstes Ziel war die Marina auf der ziemlich großen Insel Itaparica. Normalerweise ist die Insel sehr touristisch aber jetzt, im hiesigen Winter, war hier alles sehr ruhig. Die Marina war übrigens umsonst. Ursprünglich privat, war sie vor Jahren vom Staat übernommen und aufwändig saniert worden. Seit dem können sich Kommune und Land nicht einigen wer nun zuständig ist und so lässt man Gäste einfach für vier Tage umsonst dort liegen. Es gibt sogar (Quell-)Wasser und Strom am Steg, Wachschutz selbstverständlich auch, nur Duschen fehlten. Itaparica ist eine langgestreckte Insel welche die Allerheiligenbucht im Süden vom offenen Atlantik trennt. Die Nordostecke ist relativ dicht besiedelt, hat aber eher Dorfcharakter. Es gibt unzählige Pensionen und Bars von denen – typisch brasilianisch – nach 18h nur noch maximal zwei geöffnet sind. Der Rest der Insel besteht aus endlosen Sandstränden mit Regenwald dahinter. Die einheimischen Tagestouristen werden mit hölzernen Motorseglern ala Antalya, von Salvador bis kurz vor den Strand gefahren. Dann erfolgt ein Umstieg auf flachgehende Fischerboote, welche die Leute dann direkt an den Strand bringen.




















Nach zwei Tagen ging es weiter die geschützte meerabgewandte Seite der Insel entlang zum Wasserfallstrand. Der Wasserfall ist nicht so super beeindruckend, eignet sich aber gut zum duschen und ist ein netter Ankerplatz. Das Wasser fällt in einer Grotte aus ca. 2 m runter, läuft dann über den Rand der natürlichen Duschwanne und fällt dann aus noch einmal 2 m Höhe direkt ins Meer (bei Hochwasser) bzw. auf den Strand (bei Niedrigwasser). Am Ankerplatz musste Tine dann auch wohl oder übel an Bord schlafen. Und was soll ich sagen, war gar nicht so schlimm. Aus den „aber maximal zwei Nächte!“ wurden dann immerhin freiwillig vier :-). Nach einer etwas ruppigen Rückfahrt nach Salvador, hat Götz sich einige Tage mit Reparaturen am Boot beschäftigt, während ich mich bei Tine im Hotelzimmer einquartiert habe – auch mal schön!


PS:
Seit Salvador (im Juli) sind nun doch schon einige Monate vergangen 😉 Inzwischen sind wir in Florianopolis, im südlichen Bundesstaat Santa Catarina angekommen. Am 11. November müssen wir Brasilien (nach dann über fünf Monaten) verlassen haben. Unser letztes Ziel in Brasilien ist Rio Grande do Sul (noch ca. 300 Meilen) und dann sind es noch ca. 180 Meilen bis zum ersten Hafen in Uruguay. Ich verspreche lieber gar nichts mehr, aber setze mir das Ziel bis Ende des Jahres alle Berichte zu Brasilien veröffentlicht zu haben! Es müssen nur gefühlt 1,5 Mio. Fotos gesichtet und Erlebnisse der letzten drei Monate im Kopf geordnet werden 🙂
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