Alte Stahlyacht auf neuer Fahrt mit Götz und Anne

Uruguay

Da wir immer noch im Rio de la Plata festhängen und auf ein passendes Wetterfenster warten, das uns die 130 Meilen raus nach Mar del Plata oder lieber noch nach Necochea bringt, haben wir Zeit um ein wenig von unseren Ausflügen nach Uruguay zu zeigen.
Da wir ja in Argentinien immer nur 90 Tage Aufenthalt bekommen, ging’s für uns alle drei Monate durchs Delta nach Uruguay. Das erste Mal zusammen mit Fernanda und Adrian für eine Woche in das Städtchen Carmelo (Wohin wir dann auch für unsere letzte Ausreise in dieser Gegend zurückkehrten.) und das zweite Mal, im hiesigen Winter, für zwei Monate in den Ort Nueva Palmira, etwas weiter oben am Rio Uruguay. Im Gegensatz zu Argentinien, gibt es im kleinen Uruguay entlang der Küste zahlreiche staatliche Häfen mit allem Pipapo – Strom und Wasser am Steg, Duschen, Grill- und Campingplätze. Und das obwohl kaum ein Uruguayo ein Boot hat. In der Nebensaison hat man den Hafen meist für sich, nur im Sommer wird es dann Richtig voll mit Booten aus Argentinien. In Carmelo sind uns nur die kleinen argentinischen Motorboote mit zwei, drei Männern an Bord aufgefallen, die meist nur für ein paar Stunden anlegten. Adrian erzählte uns, die Argentinier im Delta bestellen gerne online Ersatzteile und lassen sie nach Uruguay liefern (Onlinebestellungen aus dem Ausland sind in Argentinien so gut wie unmöglich) oder schaffen ihre Dollars auf ein uruguayisches Konto – „die Stellen hier keine Fragen …“
Wer mal richtig zur Ruhe kommen und ein Leben frei von jeder Ablenkung führen möchte, sollte in die uruguayische Provinz fahren. Und Provinz ist hier überall, abgesehen von Montevideo und vielleicht dem Nobelküstenort Punta del Este. Die Menschen sind sehr freundlich, die Autos, selten schneller als 30 kmh, halten für jeden Fußgänger und Straßenhund. Zu jeder Hafenmole führt eine Straße mit Wendeschleife und am Wochenende wird die Familie in den Wagen geladen und dann geht’s im Schritttempo rauf und wieder runter. Auf unserer vierstündigen Busfahrt nach Montevideo hat sich die Landschaft kein einziges Mal verändert – Felder, ein paar Bäume, ein Ort, Felder, wieder ein Ort, der irgendwie aussah wie der letzte. Wir haben uns oft gesagt, das muss das langweiligste Land der Welt sein und trotzdem haben wir uns total wohlgefühlt.

Im Hafen von Nueva Palmira waren wir leider das einzige bewohnte Boot. Menschenanschluss hatten wir wenig, dafür haben uns die Hafenhunde adoptiert. Die beiden oben auf der Mauer, Hinkebein und Halskrause, haben uns jeden Morgen aus dem Bett gebellt, dann gab’s Futter. Beim Einkaufen und spazieren gehen sind sie uns selten von der Seite gewichen.

Stille – nur unterbrochen von wütendem Hundegebell, wenn alle Stunde mal ein Mensch am Grundstück vorbeiläuft. Ich vermute übrigens, dass Uruguay mehr Hunde als Einwohner hat.

Bild links: das örtliche Gymnasium, Mopeds bis zum Horizont. Einen klassischen Nahverkehr gibt es in Uruguay außerhalb von Montevideo kaum – nur Fernbuslinien, die die größeren Orte miteinander verbinden.

Werden die Baden-Würtemberger eigentlich dafür bezahlt, ihre Aufkleber an den abwegigsten Orten dieser Welt zu hinterlassen?

Montevideo

In Nueva Palmira haben wir die Plani für eine Woche alleine gelassen und sind mit dem Bus in die Hauptstadt Montevideo gefahren, in der ein Großteil der 3,4 Millionen Einwohner Uruguays lebt. Die Stadt fühlte sich für uns ein bisschen wie die kleine Schwester von Buenos Aires an. Architektonisch sehr ähnlich, aber alles ein paar Stockwerke niedriger, weniger trubelig und zu unserer Überraschung war es wesentlich erschwinglicher mal einen Kaffee zu trinken oder essen zu gehen. Obwohl Götz normalerweise schnell gestresst ist vom Pflastertreten in Großstädten, war das für uns beide ein richtig schöner Ausflug.

Links unsere Unterkunft mitten im ältesten Viertel von Montevideo. Direkt gegenüber, ein kleines Antiquariat – leider gab’s keine deutschsprachigen Bücher, nach längerer Suche, präsentierte uns der Inhaber stolz ein deutsch-schwedisches Wörterbuch … so groß war die Not dann doch nicht 🙂

Sonntag ist auch in Montevideo Flohmarkttag. Die „Feria de Tristán Narvaja“ im Viertel Cordón ist rieeesig und hier schien sich auch die halbe Stadt zu treffen.

Cementerio Central de Montevideo

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