Alte Stahlyacht auf neuer Fahrt mit Götz und Anne

Moin

Nach mehreren Tagen lassen wir mal wieder was von uns hören. Von Barhöft, südlich Hiddensee, wollten wir ja eigentlich nach Kühlungsborn segeln. Der Wind war dann aber soooo schwach, dass er eigentlich garnicht vorhanden war. Als dann ein Lüftchen aufkam, kam es genau von hinten, was so ziemlich der langsamste Kurs ist, welchen es gibt. Also entschieden wir uns, nach Norden, Richtung Gedser (auf der dänischen Insel Falster) mit Halbwind zu segeln. Nach dem vielen Schwachwind knallte uns dann noch eine Schauerbö mit geschätzten 8 Bft in’s Leichtwindsegel, was kurz Stress aufkommen ließ, der Rest des Weges war dann entspannt. Viele haben den Namen Gedser bestimmt schon mal im Zusammenhang mit dem bekannten Fährhafen gehört. Es gibt aber auch einen mittelgroßen Sportboothafen.
Während wir uns der Insel näherten zogen dutzende Segelyachten Richtung Hafen;  als wir dann auch noch Startnummern an den Booten erkannten, war klar: Hier macht eine größere Regatta Station und wir sahen uns wegen Überfüllung des Hafens schon davor ankern. Aber der Hafen war, abgesehen von den über 50 Regattabooten, total leer. Der Vorteil war, dass uns gleich zwei Leute beim Anlegen die Leinen abnahmen. aAnsonsten gibt es über Gedser nich viel zu berichten.
Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg Richtung Rødby auf Lolland und blieben dort geplant zwei Tage wegen Starkwind aus Westen. Auf dem Weg dorthin bekamen wir sogar Lotsengeleit wegen der großen Baustelle – der Fehmarnbelt, also das Stück Wasser zwischen Fehmarn und Lolland wird untertunnelt – welche wir nicht warnahmen, da sie nur auf der Westseite gelb abgetonnt war und nicht im Osten, von wo wir kamen. Davor sind wir gefühlt den ganzen Tag an drei riesigen Windparks entlang gesegelt; immer eine halbe Seemeile von Windrad zu Windrad …
In Rødby heulte der Starkwind ganz ordentlich. Anne wollte an den Strand und so haben wir die Räder ausgeklappt und sind auf dem Deich gegen(!) den Wind gefahren, da das erste Stück Küste eine riesige Baustelle war (Tunnelbau). Nach geschätzt 1–2 km war Anne dann total fertig aber der Strand endlich erreicht – siehe Bilder.
Weiter ging es bei fehlendem Wind unter Maschine Richtung Kiel. Abends gab es dann Dank Thermik noch ein Stündchen Segeln auf der Kieler Förde. 
Den nächsten Tag standen Futterbeschaffung und Stadtbesichtigung in Kiel auf dem Plan. Naja, als Pluspunkt blieb das sehr gut ausgebaute Netz an Radwegen und Fahrradstraßen in Erinnerung.
Die nächsten zweiten Tage ging es durch den Nord-Ostsee-Kanal. Dank Rückenwind konnten wir sogar ein paar Stunden die Genua (Vorsegel) hochziehen und lieferten uns ein längeres Rennen mit einer littauischen Segelyacht unter Maschine (bei uns lief trotz Segeln natürlich der Motor vorschriftsmäßig im Standgas mit.
Abends machten wir in einem Seitenkanal an der Schleuse Gieselau fest, wo schon geschätzt 15 andere Segelyachten lagen. Später am Abend machte hinter uns noch ein Boot unter holländischer Flagge mit zwei Polen an Bord fest, welche das Boot (32 ft, ca 40 Jahre alt und in bedauernswertem Zustand) in Holland gekauft hatten und nach Gedinja überführten. Sie hatten drei Tage nicht geschlafen und waren unter Maschine von Amsterdam bis Gieselau durchgeballert. So gab es dann erst dänisches Dosenbier und danach polnisches Flaschenbier.
Jetzt liegen wir hier in Brunsbüttel im alten Hafen und wollten eigentlich heute Abend mit der ablaufenden Tide nach Cuxhaven um dort Claudia und Jonathan zu treffen, welche ich damals auf den Kapverden kennengelernt hatte. Aber, es sollte nicht sein. Kaum draußen auf der Elbe, zog ein Gewitter auf, es kamen Sturmböen von vorn und innerhalb von zehn Minuten stand eine kurze steile Hacksee auf der Elbe. Tja, Wind gegen Tide. So sind wir wieder in den Hafen, kaufen morgen groß ein und treffen C. und J. dann übermorgen.

Und auch diesmal, danke für eure lieben Kommentare. Falls ihr mal Fragen habt beantworten wir die natürlich gerne.

Symbolbild

2 Antworten zu „Moin“

  1. Oh man, so viel Wasser überall. Hab gerade einen Artikel über Orcas vor der iberischen Halbinsel [1] gelesen und mich dabei gefragt, wo ihr wohl gerade seid? Ehrlich gesagt hätte ich vermutet, dass ihr schon ein paar Meilen mehr hinter euch gelassen habt. Insofern, gut dass du uns nochmal über die Geschwindigkeit der Planitzer aufgeklärt in deinem vorherigen Post aufgeklärt hast und außerdem habt ihr ja noch gaaaaaanz viel Zeit vor euch 😉
    Ich hatte auf jeden Fall ordentlich Lesematerial nachzuholen. Well done, Anne. Macht Spaß euch zuzusehen! Als wäre man live mit an Board, nur ohne frieren, Übelkeit, Klaustrophobie o.ä. menschliche Empfindungserscheinungen.
    Weiterhin Petri Heil, Christian

    [1] https://www.nationalgeographic.de/tiere/2023/06/immer-mehr-attacken-warum-orcas-segelboote-angreifen

    PS: Danke für den Nerd-Link mit dem Flettner-Rotor. Sogar noch was gelernt

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    1. Hi Christian, danke für deinen schönen Kommentar 🙂 Du bist nicht der erste, der uns das von den Orcas erzählt ;-).
      Allerdings ist unser Ruder aus Stahl – ich glaub da beißen sich selbst die Orcas die Zähne aus 😉
      Klaustrophobie ist übrigens die einzige menschliche Empfindungserscheinung, die wir hier noch nicht hatten, man kann sich hier meistens erstaunlich gut aus dem Weg gehen und draußen ist ja immer die große Weite 🙂
      Liebe Grüße

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