Alte Stahlyacht auf neuer Fahrt mit Götz und Anne

Von Finistère nach Finisterre

Asche auf unsere Häupter, Schimpfe für die Blogwärtin – ja, ihr habt lange nichts mehr von uns gehört. Inzwischen sind wir über die Biskaya rüber und unten in Portugal. Da wir am 10. August mit der Familie auf Madeira verabredet sind, waren wir ziemlich doll im Stress und hatten keine Zeit zum Schreiben. Kurzfristige Neuigkeiten findet ihr übrigens auch auf Instagram.

Nachdem wir insgesamt 10 Tage in der Bucht von Port du Stiff auf der bretonischen Insel Ouessant (Region Finistère) (48° 28,08´N 005° 03,11´W) an der Mooringstonne gehangen hatten ging es am 16. Juli endlich los über die Biskaya. Vorher ist noch ein seltsames Sturmtief mit zwei Kernen und dementsprechend zwei Warmfronten, welche ordentlich Regen brachten, durchgezogen. Die Wettervorhersage versprach: 1. Tag Segeln, 2. Tag Tuckern, 3. bis 4. (5.)Tag Segeln … Am Ende wurde daraus: Am ersten Tag traumhafter Segelwind, Tuckern, Tuckern, Schwaaaaaachwindsegeln, Tuckern …

Bei meiner letzten Biskayaüberquerung hieß es noch: Segeln bei Sturm unter Sturmfock (kleinstes Vorsegel) pur bis die Sturmfock wegflog und die letzten Meilen der Tucker herhalten musste. Diesmal also die Schwachwindvariante – auch mal ´ne Erfahrung; und im Übrigen gut für Anne, ihr Körper hat anscheinend die Bootsbewegungen in den fünf Tagen so verinnerlicht, dass sie seitdem nicht mehr seekrank war. Andererseits war das ewige Getucker aber auch extrem nervig, da wir da von Hand steuern müssen und nachts Stundenlang auf den Kompass gucken zu müssen, ermüdet extrem die Augen. Deswegen wechseln wir uns in diesen Fällen in den Nachtstunden alle halbe Stunde ab. Wenn Wind ist, steuert Wendy, unsere Windfahnensteuerung – ohne Strom, ohne Klagen (höchstens über zu wenig Wind – von irgendetwas muss sie sich ja schließlich ernähren), das wachhabende Crewmitglied fleezt sich bequem auf einen Segelsack und wirft alle 10 min einen Rundblick, ob irgendetwas in die Quere kommt.

Nun wollt ihr aber natürlich nicht langweiliges Gefasel vom Tuckern hören sondern auch Spannendes und das gab es auch. Nein, nicht die Delfine sind gemeint, die uns seit der Biskaya täglich begleiten – an die haben wir uns schon so gewöhnt, das selbst Anne kaum noch den Kopf hebt, wenn welche auftauchen. Nachts zwischen unendlich vielen Fischerbooten tauchte plötzlich ein Amberfarbenes Funkellicht auf! Selbst wer mal den Sportküstenschifferschein gemacht hat, kann sich wahrscheinlich kaum noch an diese extrem seltene Prüfungsfrage nach dem amberfarbenen Funkellicht erinnern – es handelt sich um ein aufgetauchtes U-Boot. Auf dem schnell eingeschalteten Radar war dann auch ein riesiges Radarecho zu sehen, wie es sonst nur große Containerschiffe oder Tanker machen. Es handelte sich also um ein Riesenteil, Kategorie Atom-U-Boot. Etwa eine halbe Stunde später tauchte das U-Boot dann aber ein Stück ab, so dass nur noch der Turm mit dem Funkellicht über Wasser war. Dafür tauchten noch ein zweites und schließlich ein drittes U-Boot mit ihrem Turm und dem Funkellicht auf. Was machen drei Atom-U-Boote aufgetaucht in der Biskaya, umringt von gefühlt der halben französischen Fischereiflotte …? Wir werden es nie erfahren.

Am Nachmittag des 20. Juli tauchte dann endlich Cabo Ortegal (43° 46,63´N 007° 52,31´W) an der galizischen Küste aus dem Nebel auf – Landfall. Wir mussten dann aber noch bis zum Morgen weiter tuckern, um nach La Coruña (43° 21,24´N 008° 22,06´W) zu kommen. Hier fiel Anne erst einmal in einen tieeeefen Schlaf, während der Skipper die Verwandschaft anrief. Von See kommend sieht La Coruña aus wie Marzahn am Meer. Beim nachmittäglichen Stadtrundgang entdeckten wir allerdings eine sehr schöne, lebendige Altstadt – so kann der erste Eindruck täuschen! Gegen 22.30 Uhr hatten wir uns dann auch endlich für ein Restaurant entschieden (die Spanier essen ja auch nicht früher) – Tintenfisch für Anne und Raxo (in Knoblauch eingelegte Würfel von Schweinefilet, ein Klassiker der galizischen Küche) für den Skipper. Am nächsten Tag ging dann weiter um Cabo Finisterre (42° 52,86´N 009° 13,37´W) (hiermit erklärt sich auch der Titel dieses Eintrags) nach Muros (42° 46,83´N 009° 03,29´W). Vor unserer Abfahrt wurde auch der erste Fisch, eine klitzekleine Meeräsche, gefangen und für Anne zubereitet – trotz der mageren 200 g ein Gaumenschmaus.

3 Antworten zu „Von Finistère nach Finisterre”.

  1. Avatar von Claudius Fischer
    Claudius Fischer

    Schöne Bilder, informative Reiseschilderung. Ich folge weiter und bin höchst gespannt…. Herzliche Grüße Claudius

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    1. Lieber Claudius, schön, dass dir unser Blog gefällt. Viele Grüße Götz und Anne

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  2. Liebe Anne und lieber Götz, Eure Texte und besonders auch Eure Fotos sind sehr gut. Eine fremde Welt oft für mich. Ich wünsche Euch noch eine gute Fahrt!!! Ich freue mich auf unser Wiedersehen . Ganz herzliche Grüße Mama und Marlis

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