Alte Stahlyacht auf neuer Fahrt mit Götz und Anne

circuito ventisquero

Zu den Gletschern rund um die Isla Gordon

Während ich das hier schreibe, sind Götz und ich schon seit knapp zwei Wochen Landratten. Die Plani ist seit gestern verkauft und wir sitzen auf mehr oder weniger gepackten Koffern in einem Apartment in Ushuaia – komisch.
Aber bevor wir hier die Segel streichen, gibt es für euch natürlich noch den Bericht zu unserer Gletschertour rund um die Isla Gordon.

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Unser Stop in der Caleta Olla ist diesmal kurz – starker Ostwind macht das Ankern in der Bucht gefährlich und nachdem wir noch etwas Brennholz und Calafatebeeren gesammelt haben geht es schnell weiter.

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Auf dem Weg zu unserem ersten Fjord, dem Seno Pia, sehen wir die ersten Gletscher aus der Nähe und leider auch deren bedenklichen Rückgang.

Seno Pia

Im Westarm des Seno Pia ankern wir in einer geschützten Caleta, am nächsten Morgen sehen wir das Eis draussen im Fjord treiben – der Gletscher am Ende des Westarms des Fjords kalbt stark. Die Sonne scheint und kein Lüftchen regt sich – die Szenerie ist unwirklich, wir sind sprachlos. Wir fahren in Richtung des Gletschers – andere Segler haben uns begeistert davon berichtet. Aber irgendwie ist uns mulmig, langsam schiebt sich die Plani durch die dünne Eisdecke, die Geräusche sind ungewohnt, weiter vorraus sieht das Eis ganz schön dick aus … wir drehen um. Im Nachhinein waren wir wohl zu ängstlich – naja, was soll‘s …

Statt dessen versuchen wir unser Glück im Ostarm des Seno Pia. Hier kommen wir ohne Probleme bis an den Gletscher, der zwar nicht kalbt aber trotzdem schön ist … Auf das Kreuzfahrtschiff, dessen Hubschrauber im Zehn-Minuten-Takt Passagiere für einen Rundflug einlädt, hätten wir aber schon verzichten können …

Der Forschungssegler Under the Pole, hat uns übrigens die ganze Tour über verfolgt, irgendwie waren die immer da wo wir auch waren.

Das obligatorische Gletschereis für unseren selbstgemachten Calafatelikör haben wir natürlich auch noch gefischt.

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Caleta Cinco Estrellas
Einmal quer über den Beaglekanal, in einem Fjord der Isla Gordon, liegt die Caleta Cinco Estrellas. Und fünf Sterne hat die winzige Bucht wirklich verdient. Hinter mehreren Windungen, tief eingeschnitten ins Land, liegt sie da wie ein Ententeich. Als wir die Einfahrt erreichen gesellen sich Delfine zu uns und weichen uns bis zum Ankerplatz nicht mehr vom Bug. Ich habe kurzzeitig Bedenken als Götz den Anker fallen lässt ;-).
Als wir die Bucht zwei Tage später verlassen, scheinen die Delfine schon auf uns gewartet zu haben und geleiten uns sicher aus dem Fjord.

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Als wir in den Seno Garibaldi fahren hören wir seltsame, laute Geräusche, die wir ersteinmal nicht zuordnen können, bis ich die ersten Robben in einer Felsspalte entdecke …

Hier treiben deutlich dickere Eisbrocken als zuletzt im Seno Pia, es rumst teilweise ganz ordentlich am Rumpf. Ziemlich angespannt schlängeln wir uns zum Ankerplatz. Am nächsten Morgen treibt neben uns an einer ziemlich engen Stelle im Fjord ein Kreuzfahrtschiff. Erst denken wir die haben eine Problem, ein paar Stunden später sind wir umringt von Schlauchbooten und Kajaks – scheint wohl ein geplanter Programmpunkt zu sein. Wir entscheiden uns weiter zu fahren …

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Die Isla Chair markiert den westlichsten Punkt unserer Tour, hier verlassen wir den nördlichen Arm des Beaglekanal. Bis jetzt hatten wir Glück mit dem Wetter, oft war es sonnig und windstill. Doch für die nächste Woche kündigt sich ein Sturm an. Es sind zwar noch ein paar Tage hin, aber in dieser Gegend ist man besser vorbereitet und hat einen Plan A und mindestens B. Ankerplätze die auf dem Papier gut aussehen, sind in der Realität vielleicht doch ungeschützter als gedacht. Also fahren wir mit ein paar Tagen Puffer weiter um die Isla Gordon in den Südarm des Beaglekanals zu unserem Plan A, dem Estéro Coloane.

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Ein kurzer, trüber Blick auf den Pazifik, bevor wir südlich der Isla Gordon wieder Richtung Osten steuern.

Als wir Mittags am Estéro Coloane ankommen hängen die Wolken tief, hunderte Wasserfälle ziehen sich wie ein Geflecht aus Adern über die Berghänge. Der Ankerplatz gefällt uns gut. Geschützt vor Schwell und gegen die wohl häufigen Fallwinde hier sichern wir uns mit vier Landleinen. Am Nachmittag kommt sogar die Sonne raus und wir erkunden mit dem Dinghy die Bucht. Nur der Landgang fällt kurz aus, weil die Biber hier eine kaum überwindbare Sumpflandschaft hinterlassen haben.

Am nächsten Tag kommt noch ein zweites Segelboot zum Ankerplatz. Das chilenische Paar ist ganz froh, dass wir schon daliegen. Ihr Schlauchboot ist nämlich kaputt und so kann Götz mit unserem Dinghy die Landleinen übernehmen. Wir lösen eine unserer Landleinen und die beiden kommen Längsseits. Am Ende hängen wir an 8 Leinen – das Mistwetter kann kommen. Nachdem wir einen Tag einträchtig aber ohne großen Kontakt nebeneinanderliegen und das Schneetreiben aus unseren Fenstern beobachten, laden wir Claudia und Cristóbal zu Kaffee und Apfelkuchen ein – es wird ein schöner Nachmittag. Wir werden uns in Puerto Williams wieder sehen und den beiden am Ende sogar noch unser Schlauchboot verkaufen.

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Nach einigen Tagen fahren wir weiter in den Seno Fouque. Aber das Wetter bleibt unbeständig, der Wind kommt selten aus der angesagten Richtung und dafür umso doller. So langsam denken wir an die Rückreise.

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Am östlichen Zipfel der Isla Gordon steuern wir die Caleta Chorlito an. Schon von Weitem sehen wir eine, von den Fischern, quer gespannte Leine, die die weitere Einfahrt in die Caleta verhindert. Bei Bedarf hängen sich die Fischer da einfach ran und sparen sich das zeitaufwändige Ausbringen von Landleinen. Das dauerhafte Spannen von Leinen ist allerdings verboten, bei den Fischern aber sehr beliebt und weitverbreitet. Unser Versuch an der Leine festzumachen scheitert kläglich. Überwuchert von Muscheln und Kelp ist die Leine so schwer, dass wir sie kaum aus dem Wasser bekommen. Zu allem Überfluss pfeift eine Fallbö nach der anderen über die enge Bucht. Wir geben auf und kappen, mit schlechtem Gewissen, die Leine und hoffen, dass wir später keinen Besuch von wütenden Fischern bekommen …

Massenweise Kelp macht sogar das Anlanden mit dem Dinghy schwierig.

Unterschlupf der Fischer.

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Eigentlich hatten wir gar nicht geplant auf dem Rückweg noch einmal in der Caleta Olla zu halten aber das Wetter sieht für den Tag vielversprechend aus und es gab da noch eine Wanderung, die wir gerne machen wollten.


Wir hatten in den letzten Tagen schon des öfteren große Gruppen von Robben beobachtet, aber so aufgeregt wie an diesem Morgen waren sie nie.

Nachdem die Plani sicher an ihrem Ankerplatz liegt steigen wir ins Dinghy und fahren zum gegenüberliegenden Strand. Von hier aus kann man eine schöne Wanderung die Hügel hinauf machen und hat von oben einen traumhaften Blick über den Beaglekanal und auf einen Gletschersee.

Auch hier haben die Biber ganze Arbeit geleistet und die ursprünglich bewaldete Fläche in einen Sumpf verwandelt. Die eingeschleppten Tiere vermehren sich in großer Zahl und sind ein ziemliches Problem für das Ökosystem in Feuerland.

Am Ankerplatz treffen wir den Einhandsegler Leiv, den wir schon kurz in Williams kennengelernt hatten. Leiv lebt eigentlich auf den Falklandinseln, wollte aber mal wieder Bäume sehen, wie er uns erzählte. Aufgewachsen ist er auf einem Segelboot und als Baby schon um Kap Hoorn gesegelt. Er liebt die polaren Regionen dieser Erde und hat am Grillfeuer eine Menge interessanter Geschichten zu erzählen.

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Am nächsten Morgen geht es für uns weiter in die Caleta Liwaia, die inzwischen ganz herbstlich aussieht. Wir bleiben noch einen Tag länger, weil einerseits das Wetter schlecht ist und wir uns andererseits noch nicht trennen können von dieser Landschaft.

Zurück in Puerto Williams begrüßt uns wie immer diese Skyline. Und damit ist unserere Reise fast zu Ende und wir werden oft ein bisschen wehmütig. Feuerland hat uns ganz schön um den Finger gewickelt.

Habt vielen Dank fürs Lesen, ein Bericht über die letzten Chaoswochen folgt noch.

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