Alte Stahlyacht auf neuer Fahrt mit Götz und Anne

  • Ankommen in Brasilien

    von Tamandaré nach Maceió

    Die Ankunft in Tamandaré begann mit der ersten Durchfahrt meines Lebens durch ein Korallenriff; allerdings war die Durchfahrt sehr breit und insofern problemlos. Der Anker fiel und wir waren erst einmal breit, müde und wussten nicht was wir zuerst machen sollten. Die Wahl fiel auf schlafen …

    Am nächsten Tag sind wir dann durch die Brandung mit dem Dinghy an den Strand und machten uns auf den Weg in den Ort. Tamandaré ist eine Kleinstadt im Bundesstaat Pernambuco mit eher dörflichem Charakter. Es gibt ein altes Fort, einen berühmten endlos langen Sandstrand gesäumt von Kokospalmen und einem Campingplatz mit selbstgebauten Wellblechhütten. Alles wirkte friedlich und verschlafen – genau der richtige Einstieg nach 24 Tagen auf See.

    Zuerst brauchten wir Bargeld und eine brasilianische sim-Karte fürs Telefon. Zur sim-Karte kamen wir erst eine Woche später und mit sehr viel Glück. Bargeld stellte sich als großes Problem heraus. Die Banco do Brasil gibt an ihren Automaten nur Geld an ihre Kunden raus, auch am Schalter Fehlanzeige. Die Bradesco Bank gibt Geld nur an den Automaten, aber die waren beide kaputt. Die nächste Bank war über 100 km entfernt. Im Supermarkt konnten wir mit Kreditkarte zahlen und waren mit dem Angebot erst einmal überfordert. Nach Wochen auf See wird es nämlich etwas eng mit Frischzeug, nur ein paar Tomaten hatten bis zum Schluss überlebt. Hier lagen jetzt die Früchte des tropischen Südens vor uns ausgebreitet. Am nächsten Tag ging es wieder mit dem Schlauchboot an Land. Allerdings war die Anlandung dank einer stärker gewordenen Brandung etwas unsanft mit umgefallenem Schlauchboot und Paddeln, die wegzuschwimmen drohten. Offensichtlich etwas verloren und immer noch ohne Bargeld saßen wir dann auf dem Dorfplatz und überlegten unsere nächsten Schritte. Eine total nette Frau vom Kunstgewerbemarkt sprach uns an und fragte ob wir Hilfe brauchten. Dazu zückte sie gleich ihr Handy mit Übersetzungs-App, denn Englisch sprechen die wenigsten in Brasilien. Sie selbst hatte zwei Jahre Englisch in der Schule gehabt aber alles vergessen. Ihr Freund versuchte sogar noch jemanden für uns zu finden, der Englisch sprach, allerdings erfolglos. Unser stümperhaftes Portugal-Portugiesisch verstand man zwar aber wir verstanden die Antworten auf Brasilianisch überhaupt nicht. Was wir dann allerdings am nötigsten brauchten war Diesel, denn der Wind stand immer noch auf Richtung aus SSW. An der Tankstelle konnte man mit Karte Zahlen aber die Tanke war ein paar Kilometer entfernt am Stadtrand und die Taxifahrer nahmen keine Karten. Dann die erlösende Idee, den Taxifahrer mit Benzin zu bezahlen, welches wir wiederum mit Karte bezahlen konnten. Einer fand sich, der sofort auf den Deal einging, statt Geld 10 Liter Benzin zu nehmen (wie wir später erfuhren, hatten wir ihn damit dreimal überbezahlt, aber uns war geholfen und er half sogar, den Sprit über den Strand zum Schlauchboot zu tragen.). Dort saßen wir dann eine ganze Weile, bis Anne wieder genug Mut zusammen hatte, um durch die Brandung mit 70 Litern Diesel zurück zu fahren. Nach drei Tagen Tamandaré und diversen Squalls vor Anker ging es dann weiter nach Maceió.

    Maceió (Ihr habt noch nie davon gehört? Wir vorher auch nicht.) ist eine Millionenstadt und Hauptstadt des Bundesstaates Alagoas. Sie hat einen kleinen Industriehafen in dessen Einfahrt der erste empfohlene Ankerplatz für Sportboote ist – Wahnsinn! Der zweite empfohlene Ankerplatz liegt neben dem Mooringsfeld der Fischerboote in so flachem Wasser dass wir nur dank unseres Swingkiels dort ankern konnten – bei Niedrigwasser 1,40 m! Gegenüber am Ufer befindet sich der örtliche „Yachtclub“. Die Boote, meist Motorboote liegen an Land und werden bei Bedarf mit Hilfe eines Treckers und Hydraulikwagens ins Wasser gesetzt. Dort konnten wir unser Schlauchboot sicher unterstellen und auch Frischwasser holen und unseren Müll entsorgen. Erst einmal wollten wir ordnungsgemäß einklarieren, in Tamandaré war das nicht möglich, da es kein Port of Entry ist – dort waren wir sozusagen illegal. Normalerweise bedeutet einklarieren in Brasilien, vier Ämter aufzusuchen – so hatten wir es vorher recherchiert. Beim letzten, der Policia Federal, gibt es dann als krönenden Abschluss den Einreisestempel in den Pass. Die Policia Federal befand sich direkt am Hafen, also klopften wir dort ans Tor um zu fragen wo die verschiedenen Ämter sind und in welcher Reihenfolge wir diese aufsuchen sollen. Dort schickte man uns zu ihrer Zentrale im Stadtzentrum. Nach einer halben Stunde warten und kauderwelschen auf Portugiesisch, durchsetzt mit ein paar Brocken Englisch hatten wir den Stempel im Pass! Nein, wir müssen nirgendwo anders hin, das wars …   Wahnsinn, hatten wir ein Glück! Nun das zweite Problem, eine sim-Karte fürs Handy; das sollte wesentlich schwieriger werden. Nachdem wir den halben Tag erfolglos im Stadtzentrum herumgeirrt waren, schlug Anne vor, in ein Einkaufszentrum zu fahren, wo die Telefonfirmen meist einen Laden haben. Der erste Netzbetreiber sagte ganz direkt: Ohne brasilianische Adresse/Ausweis keine sim-Karte. Aber wir sollten doch einen anderen Anbieter versuchen. Dort trafen wir auf Leandro, unser erster Brasilianer der Englisch sprach, und sogar sehr gut. Der meinte, es gäbe da einen Trick bei der Registrierung und nach einer Stunde hatten wir eine sim-Karte, normalerweise für Estrangeiros (Ausländer) ein Ding der Unmöglichkeit. Außerdem stellte sich heraus, dass Leandro ausländische sim-Karten sammelt – da konnten wir ihm gleich noch eine Freude machen. Dann kauften wir bei der Gelegenheit noch ein paar neue Vorräte ein – in Erinnerung geblieben sind Brotchips, die geschmacklich den Eindruck vermittelten man beiße in eine Scheibe Porc Salami.

    Es folgten vier Tage Kampf mit schier endlosen Squalls und meist Wind aus der falschen Richtung bis wir Salvador de Bahia, die alte Hauptstadt Brasiliens, 260nm die Küste runter erreichten.

    Das war der erste Teil unserer Reise entlang der brasilianischen Küste. In den ersten Wochen hatten wir wenig Muße zu fotografieren – das ändert sich ab Salvador!

    Zu guter Letzt einen ganz lieben Dank an Jutta für die großzügige Spende! Wir müssen dringend unser arg gebeuteltes Schlauchboot ersetzen – das fällt jetzt leichter 🙂

  • Von Cabo Verde nach Brasilien


    Wie immer beginnt unser Text mit einer Entschuldigung für die lange Funkstille! Wir sind nun schon seit einem guten Monat in Brasilien …
    Doch nach Gambia und Cabo Verde verlangt dieses riesige Land doch einiges von uns ab und so haben wir viel Zeit gebraucht um „anzukommen“. Nach Götz Bericht zu unserer Atlantiküberquerung folgt dann bald auch ein erster Text zu Brasilien – versprochen …

    Am 10. Juni brachen wir in Mindelo, Cabo Verde, Richtung Salvador de Bahia in Brasilien auf. Vor uns lagen knapp 2000 nm Luftlinie. Da schon der erste Tag vom Wind und der Welle her eher nicht so gut lief, erfüllte ich mir einen langgehegten Traum und wir stoppten für ein paar Tage auf der Kapverdischen Insel Brava – „Die Unbezähmbare“. Diese im äußersten Südwesten der Inselgruppe gelegene Insel ist relativ grün, nur dünn besiedelt, hat keinen Flughafen und wird nur unregelmäßig von Fähren angelaufen. Es gibt keine Anlegemöglichkeit für Sportboote; man liegt vor Anker mit sehr langer Landleine zur Uferbefestigung. Eigentlich kann man hier weder ein- noch ausklarieren und wir waren in Mindelo ja schon offiziell ausgereist, aber der Polizist von der Policia Maritima machte keinen Stress, als ich was von technischen Problemen erzählte. In dem Dorf Furna unten an der Ankerbucht finden sich einige dicht gedrängte Häuser, drei Kirchen, ein Restaurantchen mit drei Tischen ohne Speisekarte, wo man nachmittags sagt, was man essen möchte und abends dann zum Essen hingeht. Drei Mikroläden, eine Bäckerin ohne Laden (die Brötchen liegen ausgebreitet vor dem großen Steinofen auf dem Hinterhof) und ein paar kleine Bars runden die Infrastruktur ab. Als öffentliches Verkehrsmittel fungieren Aluguers bzw. Collectivos. Das sind PKWs, Pick-Ups oder Kleinbusse die nach Bedarf hoch in die Inselhauptstadt Vila Nova (ca. 2500 Einwohner) und zurück fahren. Während ein Aluguer wie ein Taxi mit Festpreis funktioniert, sind die Collectivos Sammeltaxis, die auf der Strecke Fahrgäste einsammeln. Der Übergang ist aber fließend. Als wir mit unseren Dieselkanistern von Vila Nova zurück zum Ankerplatz wollten nahmen wir einen Pick-Up als Taxi für 6 Euro. Jeder der zusteigt, zahlt einen Euro, so dass ab vier Zugestiegenen auch wir nur den Aluguer-Preis zahlten. Steigen mehr als vier (plus wir zwei) zu, verdient der Fahrer und Eigner zusätzlich. Eine gute Idee auch mal für Deutschland …

    Vila, so wird die Inselhauptstadt bei den Einheimischen nur genannt, ist ein schönes kleines Städtchen, noch stark vom Kolonialstil geprägt. Die Leute dort haben so selten mit Touristen zu tun, dass sie extrem aufgeschlossen und freundlich auf einen zugehen. Als wir Guthaben fürs Handy kaufen wollten, mussten wir feststellen, dass es keinen Händler gab, der für unseren Netzbetreiber Guthaben verkaufte. Ein Händler hatte aber die Lösung: Er rief einen Bekannten an, den wir dann auf der Straße trafen. Ein Anruf bei einem weiteren Bekannten von der Telefongesellschaft und wir hatten wieder Guthaben auf dem Handy. Wir würden gern noch ein mal nach Brava zurückkommen.


    Am 15. Juni ging es dann endlich los Richtung Brasilien. Der Plan war mit dem Nordost-Passat und dem westwärts setzenden Nordäquatorialstrom zuerst einen Kurs WSW zu steuern, um dann bei etwa 30° W die Innertropische Konvergenzzone (ITKZ) zu erreichen, in welcher mit wechselnden Winden zu rechnen ist. Der Äquatoriale Gegenstrom (ca. 2 kn ostwärts setzend) sollte uns bei SW-Kurs durchs Wasser nach SSO versetzen, so dass wir über die Sankt-Peter-und-Sankt-Pauls-Felsen (ein weiterer Traum von mir, dort betreiben die Brasilianer eine kleine Wetterstation) den SO-Passat bei ca. 28° W erreichen und einen guten Winkel zum SO-Passat auf der weiteren Reise Richtung Salvador haben sollten. Soweit der Plan!

    Die ersten Tage verliefen ganz gut, wenn auch sehr langsam auf Grund der Flautenschleppe südwestlich der Kapverden, welche sich zweihundert Meilen weit zog. Bei Erreichen der ITKZ drehte der Wind auf S und der Äquatoriale Gegenstrom war nicht mehr existent! Wir haben ein El-Niño-Jahr – nur dass sich das Phänomen des Ausbleibens des Äquatorialen Gegenstroms in den letzten El-Niño-Jahren auf den Pazifik beschränkte …  Wir hatten jetzt stattdessen etwa 1,5–2 kn nordwestsetzenden Strom und mehr oder weniger Gegenwind. Zwischenzeitlich drehte der Wind für drei Tage sogar auf SW, also genau von vorne. Strom und Wind drückten uns immer stärker nach Westen, nur dass wir nicht in die Karibik wollten. Also Motor an. Mit dem Motor ist das so eine Sache: Fährt man langsam und spritsparend, so haben wir bei glatter See ohne Strom eine Reichweite von ca. 700 nm, aber wenn man mit drei Knoten durchs Wasser tuckert, bleibt bei zwei Knoten Gegenstrom nur ein jämmerlicher Knoten über Grund übrig. Gibt man mehr Gas geht der Verbrauch hoch, und der Sprit reicht nicht so lange. Kreuzen macht bei schwachem Wind gegen den Strom keinen Sinn. Die zweite und dritte Woche kamen noch unzählige Squalls dazu, kleine Regen- und Gewitterzellen, welche mal Regen, mal keinen Regen, mal 50kn Wind und mal 10 kn Wind bringen, mal Blitz und Donner und mal nicht. Man muss stets auf die schlimmste Variante vorbereitet sein. Also Segel weitestgehend runter und gegebenenfalls Maschine an (geht auch auf die Spritreserven). Da der Wind außerhalb der Squalls unter 10 Knoten betrug, tendenziell eher 6–8kn, hatten wir die Taktik mit Großsegel im ersten Reff plus Leichtwindgenua zu segeln und bei erreichen eines Squalls die Leichtwindgenua runter zu nehmen. Nun, die Situation war nicht gefährlich, im schlimmsten Fall währen wir in Guyana gelandet, nur da wollten wir halt nicht hin. An die Nerven ging die Situation schon gewaltig, setzt doch an der Nordküste Brasiliens ein NW-setzender Strom Richtung Karibik, welcher dank bis zu 4 kn eine Reise Richtung Süden die Küste lang quasi unmöglich macht und alle Pläne über den Haufen geworfen hätte. Der erste Plan, der sich erledigt hatte waren die Sankt-Peter-und-Sankt-Pauls-Felsen; ca. 240 nm nördlich des Archipels gaben wir auf und gingen auf WSW-Kurs Richtung Cabedelo nahe der NO-Ecke Brasiliens. Zwischenzeitlich, nachdem der Wind sich bequemt hatte, etwas östlicher als S zu drehen, schien auch Maceió, ca. 300 nm südlich Cabedelo, möglich zu sein. Schließlich wurde es dann, nach 24 Tagen auf See, Tamandaré, 90 nm nördlich Maceió. 

    Squalls machen uns das Leben schwer. Götz entwickelte einen sportlichen Ehrgeiz den Dingern auszuweichen. Wenn es dann allerdings so aussah wie auf dem Radarbild, hieß es nur noch Augen zu, Regenjacke an und durch.

    Was es sonst noch zu berichten gibt: Ein atlantischer Sturmtaucher (Puffin) flog uns zu und ließ sich für zwei Tage auf unserem Großbaumende nieder um unser Sonnendach vollzuschei…  Ein paar Tage später kam er wieder und brachte ein Junges mit, welches es sich auf der Sprayhood bequem machte. Zwei Fische gingen an den Haken und wurden für die Bordfrau zubereitet. Wale sahen wir keine, Delphine selten. Ein paar portugiesische Galeeren sahen wir vorbeischwimmen und viel Seetang. Die Durchschnittstemperatur unter Deck betrug rund um die Uhr 29–30°C. Mit zwei Ausnahmen gab es jeden Tag ein warmes Essen, die letzten frischen Tomaten aßen wir in Brasilien. Ach ja, mittlerweile stehen rund 7500 nm auf der Logge – das entspricht gut einem Drittel des Erdumfangs.

    Äquatorüberquerung mitten in der Nacht – so unspektakulär wie Silvester alleine zu Hause. Der Skipper schlief und meine drängendste Frage seit Tagen war: Was passiert auf der GPS-Anzeige bei 00°00′.000? Eigentlich dürfte bei der Breitenangabe weder Nord noch Süd stehen … Naja, die Enttäuschung war groß …
    Der kleine Scheißer …
    Fast geschafft – die letzten Meilen ziehen sich wie Kaugummi

    Zeit, auch mal Danke an alle zu sagen, welche uns unterstützt haben – finanziell, mental mit Ersatzteilen, Werkzeug und Tips, mit Erzählungen und Empfehlungen. Ein ganz besonderes Dankeschön von mir an dieser Stelle an Hans Baba, bei dem ich vor vierzig Jahren richtig segeln lernte, nachdem ich mir die Grundlagen zuvor im Faltboot selbst beigebracht hatte.

    Fazit von Anne: 24 Tage auf See ziehen sich doch ganz schön, zwei Wochen hätten auch gereicht! Aber: nach tausenden von Meilen und eben so vielen fragwürdigen Hausmitteln gegen Seekrankheit, kann ich berichten, dass schnöde Tabletten gegen Reisekrankheit tatsächlich wirken :-). Das liebevoll zubereitete Essen vom Smutje blieb diesmal drin!

  • Kap Verde

    Auf der Suche nach Grün

    Obwohl sie das Grüne Kap genannt werden, sind die Kapverdischen Inseln doch alles andere als grün. Die Temperaturen übersteigen zwar selten die 30 Grad, aber es herrscht einen Großteil des Jahres absolute Trockenheit, Aussicht auf Regen gibt es nur im August und September. Frischwasser muss mit einem hohen Aufwand an Energie aus Meerwasserentsalzung gewonnen werden und ist deshalb kostbar und teuer. Leitungsnetze gibt es kaum; und so hat jedes Haus seine eigene Zisterne, die mit Wasser aus dem LKW gefüllt wird. Eine Ausnahme zu den kargen, braun-grauen Landschaften der übrigen Inseln, bildet Santo Antão. Der Nordosten der Insel ist, bedingt durch die hohen Berge an denen die Wolken hängen bleiben, relativ regenreich und deswegen viel grüner. Also ließen wir unser schwimmendes Zuhause im Hafen und fuhren mit der Fähre für fünf Nächte auf die Nachbarinsel.

    Zum Einstieg hatten wir uns für zwei Nächte ein Zimmer in einem Gästehaus in Espangeiros auf gut 1400m Höhe gebucht. Auf Hochwandern hatten wir keine Lust, also nahmen wir eines der Sammeltaxis (Colectivos) und ließen uns in gemächlichem Tempo hochfahren. Hier und da stiegen noch Gäste dazu, an der einen Haustür wurde ein Ladekabel übergeben, an der nächsten eine Tüte mit Einkäufen ins Auto gepackt … In der Unterkunft wurden wir von Alain, dem französische Inhaber, begrüßt. Er spricht sehr gut Englisch und ist begeisterter Bergwanderer und Mountainbiker und diesbezüglich eine sehr gute Informationsquelle. Erst dachten wir, dass es an der französischen Leitung der Herberge liegt, dass außer uns nur Franzosen da waren. Später merkten wir, dass uns sowohl Einheimische als auch Touristen fast ausschließlich auf französisch begrüßten. Auf die Kap Verden verirren sich wohl nur wenige nicht-französische Touristen.

    Nach einigen Kurzausflügen rund um Espangeiros beschlossen wir, eingedenk unserer Rucksäcke – wir waren mit Zelt, Schlafsack, Isomatte und einigen Litern Wasser angereist – die beiden sehr steilen Abstiege ins Paultal bzw. ins Tal von Ribeira Grande lieber nicht in Angriff zu nehmen. So beschlossen wir denn, erst ein Stück der alten Pflasterstraße zu nehmen und dann im Dorf Corda auf den betagten aber gut erhaltenen Esels-Handels-Weg abzubiegen, der hinunter in den Ort Coculi führte. Wie sich zeigte eine gute Entscheidung, denn unsere Waden waren durch das Bordleben und das flache Land in Gambia arg geschrumpft. Bei durchschnittlich 20–30% Gefälle fing es denn auch zeitnah an, von den Waden bis in die Oberschenkel zu ziehen. Am frühen Nachmittag trafen wir dann auf ca 1000m Höhe auf die Ruine eines alten Gehöfts und stellten unser kleines Zelt windgeschützt durch die Reste der Außenmauern auf dem gepflasterten Boden des „Wohnzimmers“ auf. Die Bereitung des Nachmittagskaffees über offenem Holzfeuer erwies sich als nicht ganz leichte und stark qualmende Angelegenheit. Zwar ist der Boden staubtrocken, doch der starke Tau lässt das wenige zu findende Brennholz nie richtig trocknen. Apropos Holz, verholzende Pflanzen wachsen hier kaum. Die Vegetation besteht aus Gras, kleinen Stauden, Wandelröschen, riesigen Yuccas mit ihren über 5m hohen Blütenständen, dazwischen immer wieder kleine und kleinste Felderchen mit Bananen, Bohnen, Paprika, Süßkartoffeln oder auch Mangobäumen und Cassawasträuchern. Gegen Abend kam ein Bauer des Weges, der uns erst freundlich grüßte und dann eine 10l Flasche mit schwarzgebranntem Rum (Grogue de Cana, wie er hier genannt wird) aus seinem Rucksack holte. Wir sollten unbedingt kosten, keine Widerrede und unsere Tasse wurde bis zur Hälfte gefüllt. Das Zeug hatte gut über 50%, aber mehrmals mit Cola gestreckt ging es und wir wurden auch nicht blind …

    Morgens ging es dann in endlosen Serpentinen weiter runter ins Tal, das Gelände wurde langsam etwas weniger steil, die Landwirtschaft intensiver, die dafür terrassierten Flächen größer und es tauchten immer mehr Häuser auf bis wir schließlich Coculi erreichten. Hier schloss sich uns für die nächsten 5km ein Hund an, wahrscheinlich in der Hoffnung auf mehr als das alte Brötchen, welches er dankbar runtergeschlungen hatte. Am Ortseingang von Ribeira Grande gönnten wir uns ein Mittagessen in einem Restaurant und dann im Ort für zwei Nächte ein Zimmer in einer Pension. 

    Am nächsten Tag besuchten wir das in südlicher Richtung nächste Tal – den Tip hatten wir von Max erhalten, welchen wir in Mindelo kennengelernt hatten. Zunächst hat man den Eindruck, man betritt einen staubtrockenen Steinbruch ohne jegliches Leben doch hinter der ersten Kurve wird es plötzlich saftig grün. Man läuft über Stützmauern von Feldern, balanciert auf schmalen Rändern von Levadas und klettert über Felsbrocken. Dabei ist man umgeben von Bananenstauden, Zuckerrohr, Süßkartoffeln und beschattet von beeindruckenden Brotfruchtbäumen, Cashew- und Mangobäumen. Ermöglicht wird das ganze durch einen winzigen Bach von dem jeder Tropfen Wasser intensivst genutzt wird und durch unglaublich viel Arbeit der Bauern.

    Zurück in Mindelo hieß es dann unsere Antlantiküberquerung vorzubereiten und für ausreichend Proviant zu sorgen. Das ist hier gar nicht so günstig. Die Preise für Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs liegen im Schnitt etwas über deutschem Niveau, sind manchmal aber auch deutlich teurer. Einheimische Waren wie Obst, Gemüse, Brot sind im Allgemeinen etwas günstiger. Zwar gilt Cabo Verde als eins der wohlhabendsten Länder Afrikas und hat eine stabile Demokratie. Das Durchschnittseinkommen liegt aber nur bei rund 200€ – von rund 100€ für ein Zimmermädchen im Hotel bis zum spitzenverdienenden Mediziner mit Auslandsstudium und rund 750€. Mit diesen Einkommen sind die meisten Waren in den Supermärkten der absolute Luxus.
    Neben Lebensmitteln brauchten wir auch noch Holz, um ein neues Pendelruder für unsere Windfahnensteuerung zu bauen – das war auf der Überfahrt von Gambia geknackt. Beim Holzhändler hatten wir dann die Wahl zwischen Presspappe, OSB-Platten und Mahagoni … So hat Götz dann das Pendelruder aus 25mm massivem Mahagoni gebaut. Das Brett, groß genug für drei Pendelruder, kostete 10€.

    Ein paar Tage bevor wir dann los wollten, startete Götz dann Testweise den Motor (immerhin lagen wir ja nun schon vier Wochen im Hafen, man weiß ja nie) und es passierte … nix. Das blöde Ding sprang nicht an. Immer noch die Dieselpest? Ein Anruf bei unserem Freund Peter in Leipzig, neben dem praktischer Weise gerade auch noch ein KFZ-Mechaniker saß, ergab, das Problem ist der Anlasser. Der Profi hat’s sofort am Geräusch erkannt! Böse Erinnerungen an Madeira und wochenlanges Warten auf Ersatzteile kamen auf. Aber diesmal hatten wir Glück. Im zweiten Anlauf hat Götz das Ersatzteil in einem Laden in Mindelo bekommen. Einen Tag, diverse festgerottete Schrauben und einen renitenten Sprengring (dem nur mit vereinten Kräften beizukommen war) später, war der Anlasser repariert 🙂

    Jetzt ist fast alles erledigt und die lange Überfahrt nach Brasilien kann am Freitag losgehen. Vor uns liegen knapp 2000nm (3700km), die innertropische Konvergenzzone mit ihren Flautengebieten und zu dieser Jahreszeit über 30°C Wassertemperatur, ach ja, und eine Äquatortaufe. Wir rechnen mit ca. 4 Wochen für die Überfahrt und melden uns dann im Juni aus Brasilien.  

  • Pest an Bord

    Von Gambia nach Kap Verde

    Nach dem Abschied von Ousmane fuhren wir noch für ein „paar Tage“ zurück nach Lamin Lodge zum „Urlaub“ machen; Baden, mal Essen gehen, faulenzen standen auf dem Programm. Nach einem schönen Abend bei dem wir uns von den anderen Seglern und den Leuten vor Ort verabschiedet haben, ging es nach Banjul zum Ausklarieren und Abreisen. Da der Wind genau auf die Fahrrinne in der Flussmündung stand, hieß das erst einmal tuckern. Nach ca. vier Stunden ging plötzlich der Motor aus – also erstmal Segel hoch. Schnell war klar, der Motor bekommt keinen Diesel – der Filter ist dicht. Raus aus der Fahrrinne und ankern. Nach dem Filterwechsel war klar – wir haben die Dieselpest an Bord. Mit etwas gesenktem Kopf und dieselverschmiertem Cockpit fuhren wir am nächsten Tag zurück nach Banjul um wieder einzureisen. Bei der Einreisebehörde saß schon eine italienische Crew, welche nur ein paar Stunden vor uns losgefahren war und ebenfalls Maschinenprobleme hatte. Das gab großes Gelächter auf allen Seiten – geteiltes Leid ist halbes Leid. Zurück in Lamin Lodge ging die große Dieselmanscherei los. Ausbau des Tagestanks, Reinigung des gesamten Kraftstoffsystems, Filtern des Diesels und Behandlung mit Mittel gegen Dieselpest. Das ganze Boot stank nach Diesel … 

    Der Drecksjob für den Skipper
    Ich halte mich an die filigraneren Aufgaben, wie das Malen der neuen Gastlandflaggen.


    Am 23.03. sind wir dann endlich los Richtung Kap Verde. Die Überfahrt war bei 20, in Böen bis 30kt Wind recht ruppig und die kurze, steile Welle (3m bei 5sec Wellenperiode) tat ihr übriges, um die arme Anne an Seekrankheit leiden zu lassen. „Auf den Kapverden kann man mit dem Boot nur in Praia, Mindelo und Sal einreisen.“ – so steht es überall. Praia und Mindelo sind Orte in denen ich damals schon war, dass mit Sal allerdings nicht ein Ort sondern die Insel Sal gemeint war, hatten wir verpeilt, als wir uns Sal Rei auf Boavista näherten und nach Einbruch der Nacht den Anker warfen. Am nächsten Tag sind wir dann gleich zur Policia Maritima um einzuklarieren. Dort begrüßte man uns mit der Frage: Portugues, Espanol, Francaise or Englisch? Welcher deutsche Polizist bietet einem vier (!) Sprachen zum Verhandeln an? Die beiden Polizisten waren übrigens die nettesten Polizisten welche wir in unserem Leben getroffen haben. Nein, einreisen können wir hier nicht, aber das ist kein Problem, das können wir in Mindelo nachholen und wir können ruhig ein paar Tage hierbleiben und uns alles anschauen. So blieben wir denn eine Woche toleriert illegal auf Boavista und ließen den Kulturschock nach fast vier Monaten Gambia sacken: Befestigte Straßen, eine halbwegs funktionierende Müllentsorgung, Essen mit Messer und Gabel von Keramiktellern, Autos die weniger als 20 Jahre alt sind, kein „Toubab, Toubab!“ …  Der Ankerplatz war allerdings so unruhig – gruselig rundherum in 100 bis 200 m Abstand brechende Wellen zu sehen –, dass wir dann weiter nach Mindelo segelten, zwischenzeitlich dank der Fallwinde und Düsen zwischen den Inseln mit für uns sehr ungewöhnlichen bis zu 8,5kt. Jetzt liegen wir in Mindelo am Steg in der Marina und sind legal im Land und erkunden die Stadt, welche sich in den 10 Jahren seit meinem letzten Besuch doch sehr verändert hat. Ein wenig basteln am Boot gehört natürlich auch dazu und die nächsten Tage planen wir einen Wanderausflug auf die Nachbarinsel Sao Antao; Überfahrt mit Fähre, da es dort keine sicheren Ankerbuchten gibt. Nach der Rückkehr gibt es mehr und hoffentlich tolle Fotos. 

  • Gambia Teil 7


    Ousmane neues Fischerboot

    Am 3. Februar nach dem großen Abschied in Balingho ging es mit Ousmane los Richtung Banjul, Richtung Meer. Nach zwei Tagen Flussfahrt war das Wasser so salzig wie im Atlantik und auch das Mündungsbecken des Gambia River vermittelte eher das Gefühl, auf dem Meer zu sein statt in einer Flussmündung. Am dritten Tag morgens ankerten wir dann vor der Pier in Banjul und waren eine Stunde später beim Bootsbauer, welcher ebenfalls Ousmane hieß, aber aus dem Senegal stammte und neben Mandinka und Wollof nur Französisch und ganz wenige Brocken Englisch sprach. Ousmane musste also für uns zwischen Englisch und Wollof übersetzen. Der Bootsbauplatz befand sich auf einem vielleicht 15 m breiten Streifen zwischen dem Southbank Highway und der Hochwasserlinie. 

    Im Voraus hieß es, das Boot sei in zwei bis drei Tagen fertig. Jetzt kam noch einer dazu, um das Holz in Barra auf der anderen Flussseite einzukaufen. Außerdem müssten sie noch ein anderes Boot zu ende bauen, was wiederum zwei Tage dauern würde – heute ist Sonntag und bis spätestens Freitag oder Sonnabend sollte es fertig sein. Preis 25.000 Gambian Dalasi, also 333,33€. Kleinere Boote, wie das für Ousmane werden meist ohne Querspanten  gebaut; daran kränkeln diese kleinen Boote aber später häufig. Die seitliche Instabilität führt zu Leckagen. Ein weiteres gängiges Problem ist die Dichtigkeit im unteren Bereich – die unteren Fugen werden mit einer Mischung aus Styropor gelöst in Benzin und mit Sägespänen angedickt verkleistert (diese Rezeptur hat mal ein Schweizer hier gelassen, so kann man ganz einfach Kunststoff selber herstellen und verarbeiten). Leider entsteht dadurch ein Hartkunststoff welcher am Holz, das entsprechend der Feuchtigkeit arbeitet, nicht dauerhaft anhaftet. Auf der Bootsinnenseite wird die Paste dann noch mit angenagelten Gurtbändern abgedeckt. Wenn das Ganze dann nach spätestens einem Jahr anfängt zu lecken, dichten die Fischer mit Zement (!!!!) ab, was auch nur von früh bis mittag hält.

    Ousmanes Boot sollte deswegen etwas anders aussehen:
    – 7,5 m lang – klein genug, um auch per Paddel bewegt werden zu können
    – mit Heckspiegel – damit der alte Außenborder, den er von uns bekommen hat, dran passt
    – 4 Querspanten für die Stabilität
    – unter der Wasserlinie außen mit Teer beschichtet, auch die Fugen mit Teer gefüllt
    – innen „klassisch gambisch“ verfugt und das Holz geölt, damit es konserviert und gleichzeitig atmungsaktiv bleibt

    Teer und Öl wollten wir machen, den Rest der Bootsbauer. Nachdem alles abgesprochen war gingen wir auf den Markt zu den Händlern für Fischereibedarf um den übrigen Kram zu Kaufen: Netz, Leinen, Schwimmer für das Netz, Anker, Teer, Pinsel, etc.

    Am nächsten Morgen ging es weiter nach Lamin Lodge, wo wir ein bisschen Ruhe suchten und der Weg nach Serekunda – Anne wollte da unbedingt mal hin – kürzer ist. Lamin Lodge liegt im Lamin Bolon, also einem Nebenarm des Gambia, ca. 1,5 h bei Schleichfahrt von Banjul entfernt. Schleichfahrt ist auf Grund der Untiefen und zahllosen Wracks dringend empfohlen. Hinzu kommt, dass, wie in Gambia üblich, die Weltkarte aus dem Schulatlas der aktuellsten Seekarte qualitativ in nichts nachsteht; sprich, man muss seinen Weg einfach finden … Die Lodge ist keine Unterkunft für Touristen, Peter aus Düsseldorf ist hier vor Jahrzehnten mit seinem Segelboot hängengeblieben und hat ein Refugium für sich selbst und andere Segler geschaffen. Ich durfte ihn vor 10 Jahren noch selbst kennenlernen und seinen 70sten mit ihm feiern. Inzwischen ist er verstorben und die Einheimischen – sowohl blickige Leute mit Ideen als auch dauerbekiffte Abzocker – haben die Lodge für sich entdeckt und übernommen. Mit Hilfe einiger motivierter Segler wurde vor ein paar Jahren sogar eine Dusche gebaut. Es gibt einen Wasserhahn, eine Bar, ein kleines Restaurant (hier essen wir gerne Hähnchenpastete – Minidöner nennt Anne die), ein paar Klamottenhändler und einen Obsthändler. Überall häufen sich Berge von Austernschalen – Frauen in kleinen Kanus fahren jeden Morgen zu den mangrovenbewachsenen Ufern um Austern zu ernten. Das Austernfleisch wird dann gekocht und verkauft. Peter hatte den Leuten damals erklärt, wie sie den Kalk der Schalen brennen und daraus Zement machen können. Seitdem sind die Berge mit den Schalen so unglaublich angewachsen, dass sich der Eindruck aufdrängt, dass nichts mit ihnen gemacht wird, nur das „Endlager“ wird immer größer.

    Erst einmal gehen wir eine der schlimmsten Straßen Gambias (tiefster Sand) nach Lamin rein um einzukaufen und mit Ousmane mal „kurz“ bei seiner Cousine Mariama vorbeizuschauen. Aus kurz wurde ein halber Tag und es gab gegen halb vier ein wunderbares Mittagessen, netterweise für mich, mal ohne Fisch, dafür mit Hähnchen und vielen Sorten Gemüse. Auf dem Rückweg wurde dann noch das nötigste eingekauft. 

    Am Donnerstag sind wir dann mit dem Bus (Hyundai, über 20 Jahre alt, total klapprig und 19 Mann an Bord nach Serekunda (ca. 200 000 Einwohner) reingefahren. Anne wollte unbedingt in den dortigen Buchladen, den mutmaßlich einzigen in Gambia. Die Auswahl an Gambischer Literatur war leider sehr Bescheiden. Am Ende viel die Wahl auf ein Büchlein zur Geschichte Gambias und zwei Kinderbüchern für die Kinder von Ousmane und Bakary. Für den Skipper fiel eine über 30 Jahre alte englischsprachige Ausgabe von Wie repariere ich meinen Mercedes Diesel  ab – wir haben einen Mercedes OM 617 von 1978 im Boot verbaut – ab. Dann waren wir noch einkaufen, ein paar Leckerlies wie Silberzwiebeln, ein Stück Gouda …

    Mit dem Minibus von Lamin nach Serekunda, jeweils zu viert in einer Reihe. Zurück waren wir mal verschwenderisch und haben ein Taxi genommen 🙂

    Am Freitag ging es dann zurück nach Banjul um beim Bootsbauer festzustellen, dass abgesehen von der Mittelplanke noch nichts passiert war – am Dienstag lief unser Visum aus! Ab da fuhr ich Ousmane jeden Morgen mit dem Dinghy an Land und er stand neben den Bootsbauern, damit es voran ging. Wir verlängerten unser Visum um einen weiteren Monat …  Am Mittwoch konnte ich außen die Fugen mit Teer vergießen und das Unterwasserschiff mit Teer streichen – bei 38°C im Schatten – in der vollen Sonne! Es gab mehrere anerkennende Kommentare vorbeikommender Fischer: Das hält dicht! Das hält ewig! Da kommt kein Wasser rein! Donnerstag hat Ousmane das Boot von innen im Unterwasserbereich geölt.


    Freitag Abend hieß es dann, schneller als gedacht, Abschied nehmen. Ousmanes Frau Nyara lag im Krankenhaus und er wollte möglichst schnell nach Hause. Die Farbe für den Überwasserbereich hatten ihm die Bootsbauer mitgegeben, das Streichen wollte er selbst zu Hause machen. Er hatte dann auch Tränen in den Augen als das Boot von der Planitzer ablegte und auch wir waren alles andere als fröhlich gestimmt. Dank eines befreundeten Fischers, welcher auch nach Balingho wollte und seinen 15PS Außenborder an Ousmane neues Boot hing, schafften sie es dann auch in 10 Stunden bis Balingho. Als sich Ousmane abends meldete, war seine Nyara gerade aus dem Krankenhaus entlassen worden, es ging ihr gut. 

    Trauriger Abschied von Ousmane.

    Wir beschlossen, nach Lamin Lodge zurückzufahren und ein paar Tage „Urlaub“ zu machen. Die letzten Tage waren doch arg stressig und anstrengend gewesen, hatte uns doch in der Nacht zum Montag ein rotter chinesischer Fischtrawler nachts um zwei Uhr auf die Nase geknutscht, sprich er war mit 3–4 Knoten frontal in uns reingefahren. Zum Glück für uns hat er genau unseren Ankerbeschlag aus 10 mm V4A Stahl erwischt und trotz geschätzt 30 Tonnen keinen großen Schaden anrichten können. Der Bugkorb ist ein bisschen verbogen und eine Strebe am Ankerbeschlag etwas eingedrückt. Dazu kam noch der Ärger mit Navy/Navy Police welche anscheinend vom Agenten der Chinesen entsprechend bestochen worden war. Der Fall würde an das Fishery Department übergeben werden – ha, ha. Das ist so als wenn einem ein Betonlaster ins Auto kracht und die Polizei übergibt den Fall ans Bauamt. TIA – This Is Africa! Das einzig lustige an der Erfahrung war Ousmanes Reaktion direkt nach dem Crash. Erst beschimpfte er den Kapitän des Trawlers auf Chinesisch – die Schimpfworte hatte ihm mal ein Freund beigebracht, leider konnte er sich nicht mehr an die Bedeutung erinnern. Dann saß er im Cockpit und sagte voller Innbrunst – „Scheiße, Mann!“ Gambier sind unglaublich gut im Aufschnappen von Fremdsprachen.

    Die Übeltäterin „Miss Tina“ hatten wir wegen des Namens zufällig schon bei unserer Ankunft in Gambia fotografiert …
  • Gambia Teil 6

    Dorfleben

    Unser Aufenthalt in Gambia neigt sich dem Ende zu und wir haben noch gar nicht groß von unserer Zeit in Balingho erzählt. 

    Mit unserem Dinghi fahren wir jeden Tag ans Ufer, schwingen uns auf unsere Fahrräder und fahren die zehn Minuten ins Dorf. 
    Noch bevor man das Dorf erreicht kommt man am Compound (Hof) von Goeff vorbei. Goeff ist ein 83-jähriger Engländer, der als Segler vor 20 Jahren in Balingho gelandet ist und beschlossen hat hier sesshaft zu werden und sich seinen alten Traum zu erfüllen ein eigenes Haus zu bauen. „Von 20 bis 40 war ich in der britischen Navy, von 40 bis 60 bin ich um die Welt gesegelt und von 60 bis 80 habe ich mich hier vom segeln erholt. Jetzt fange ich langsam an Gambia zu verstehen.“ 

    Goeffs Compound
    Auf seinem Dreirad chinesischer Bauart nimmt uns Geoff gerne die 8 km in die nächste Stadt, Farafenni, mit. Eine sehr holprige und nicht gerade Rückenschonende Angelegenheit.


    Als Steve das erste Mal seit 10 Jahren wieder nach Balingho kam, wurde er empfangen wie der verlorene Sohn und auch ich wurde gleich extrem herzlich aufgenommen. Sobald wir ins Dorf kommen, rufen die Kinder in fast jedem Compound: Steve, Anna! Steve, Anna! 

    Uns kennt im Dorf nach kurzer Zeit fast jeder mit Namen, aber bei mehreren 100 Einwohnern, halten wir uns dann doch an die Familie von Ousmane und den Compound vom Jammeh-Clan zudem Steves guter Freund Menata gehört. Während es bei Ousmane mit sieben noch auf dem Hof lebenden Kindern, zwei Enkeln und einer Ehefrau noch überschaubar ist, stoße ich bei Menatas Familie an meine Grenzen. Im ersten Haus wohnt der Alkalo (Bürgermeister und wahrscheinlich Onkel von Menata) mit einer seiner Frauen, drei erwachsenen Töchtern, mindestens zwei Enkelinnen und weiteren kleineren Kindern. Alkalo ist so um die 75 Jahre alt, genau weis das keiner …  Im Haus daneben wohnt der Bruder vom Alkalo mit einer (?) Ehefrau, deren Mutter und einem kleineren Sohn.
    Den anderen Teil des Compounds bewohnen Menata (ca. 65 Jahre alt) mit seinen zwei Frauen Nato und Mariama sowie Mariamas Kindern. Die Kinder der Erstfrau Nato sind schon groß und aus dem Haus. Dann gibt es noch Menatas kleinen Bruder Bakary (53) mit Erstfrau Kaddy – 8 Kinder – und Zweitfrau Fatima – 2 Kinder. Da in Gambia Cousins und Cousinen als Bruder und Schwester bezeichnet werden und Onkel gerne als Vater ist es schwierig, die Verwandtschaftsverhältnisse genau zu verstehen. 
    Ousmanes Mutter ist eine Schwester vom Alkalo aber Ousmane ist mit den „dorfpolitischen“ Ansichten und Handlungen seiner Verwandten nicht immer einverstanden und wohnt deswegen auf seinem eigenen Compound. Ousmane sind die Themen Schule und Bildung der Kinder sehr wichtig, dem Alkalo ist das weitestgehend egal und Menata war in der Vergangenheit als Vorsitzender des Schulkommitees auch nicht immer bereit den unfähigen Schuldirektoren auf die Finger zu klopfen.

    Ousmanes Familie, es fehlen nur die zwei älteren Söhne.

    Zum Thema Heirat muss folgendes erwähnt werden: Zwangsverheiratungen sind verboten und werden immer seltener. Auch müssen Frauen mindestens 18 sein, um heiraten zu können – das war in der jüngeren Vergangenheit beileibe nicht Standard. Es gibt verschiedene Gründe als Mann zu einer Zweitfrau oder auch Dritt-/Viertfrau zu kommen. Wenn ein naher Verwandter (Mann) stirbt und eine Witwe mit Kindern hinterläßt muss der Bruder des Toten ihr anbieten ihn zu heiraten – die Großfamilie bietet soziale Sicherheit und ersetzt das nicht existente Sozialsystem. Ein anderer Grund für eine weitere Frau kann sein, dass der Mann einfach Lust auf „was jüngeres“ hat oder aber die Erstfrau ist alt und gebrechlich und schafft die anfallenden Arbeiten nicht mehr – die Zweitfrau erfüllt dann die Funktion einer Hauswirtschaftshilfe. Bis auf wenige Ausnahmen übernehmen Männer niemals Aufgaben im Haushalt. Grundsätzlich muss die Erstfrau allen weiteren Frauen zustimmen, sonst wird nichts draus. Die Erstfrau ist und bleibt die Chefin auf dem Hof, die anfallende Arbeit wird größtenteils an die Zweit-/…Frau weitergereicht. 

    Wenn wir auf dem Hof erscheinen, wird sofort der Attaya-Ofen in Gang gesetzt. Der extrem starke, mit Unmengen Zucker versetzte chinesische Grüntee ist das Lieblingsgetränk fast aller Gambier. Für Steve gibt es Juice (Süßstoff basiertes Getränkepulver – nicht nur bei den Kindern in hochkonzentrierter Form äußerst beliebt). Und natürlich sollen wir immer zum Essen bleiben; meist gibt es Reis mit Fisch und Soße – sehr lecker sind die Zwiebel- oder Erdnusssoßen. Da Steve keinen Fisch isst, bleibt er allerdings ungern zum Essen und oft planen wir unsere Besuche taktisch vor oder nach dem Essen.


    Einkaufsmöglichkeiten im Dorf gibt es fast keine. Im winzigen, stockfinsteren Dorfladen gibt es Zigaretten, Attaya, Zucker, Zwiebeln, „Juice“, Streichhölzer, Mückenspiralen, ein paar Süßigkeiten und Waschpulver, ach ja und Brühwürfel. Auf dem Jammeh Compound hat neuerdings ein zweiter noch kleinerer Laden aufgemacht. Meist fahren wir ins „Camp“; damit ist das landwirtschaftliche Ausbildungscamp der Stiftung Sabab Lou gemeint, welches sich ungefähr 1 bis 2km außerhalb des Dorfes befindet. Dort können junge Leute eine zweijährige Ausbildung im Bereich Landwirtschaft/Vermarktung absolvieren. Sie lernen, wie man Landwirtschaft effektiv betreibt und die Produkte entsprechend vermarktet. Die Azubis bekommen Unterkunft und Verpflegung + Taschengeld gestellt und werden mit 15 % an den Umsätzen aus ihrem jeweiligen Einsatzbereich beteiligt. Dieses Geld wird für sie angelegt und ihnen nach absolvierter Ausbildung als Startkapital für ihr eigenes Unternehmen ausgezahlt. Im Camp kann man die Erzeugnisse auch kaufen; alles ist frisch und die Preise sind fair. Es gibt Eier, Hühner, Puten, Papaya, Tomaten, Zwiebeln, Paprika und, und, und. Wir kaufen meist Eier, Tomaten und Papaya. Den Rest holen wir in Farafenni. 

    Im Camp haben wir Ismaila, kurz Is, kennengelernt. Er hat selbst die Ausbildung im Camp absolviert und anschließend studiert. Is ist der Gärtnermeister und kümmert sich um den praktischen Teil der Ausbildung. Er gehört zu den Leuten, die unbedingt in Gambia bleiben und ihr Wissen an andere weitergeben wollen um das Land voranzubringen. Gern sitzen wir, wenn es seine Zeit zulässt, mit ihm ein Stündchen zusammen und Götz fachsimpelt mit ihm über Gartenbau. Es wird weitestgehend auf die Chemiekeule beim Pflanzenschutz verzichtet. Stattdessen wird auf vor Ort verfügbare Mittel und Techniken gesetzt, schon aus dem Grund weil diese fast umsonst zur Verfügung stehen. Das Gelände hat die Stiftung vom Dorf zur Verfügung gestellt bekommen. Im Gegenzug wird das Dorf über ein Leitungsnetz den größten Teil des Jahres mit Trinkwasser versorgt und seit diesem Jahr gibt es auch den Community Garden (Gemeinschaftsgarten), von den Männern bezeichnender Weise „Women’s Garden“ (Frauengarten) genannt. Das Gelände am Dorfrand wurde von der Stiftung gerodet, urbar gemacht und an die Wasserversorgung des Camps angeschlossen. Darüber hinaus wurde es eingezäunt. Das ist sehr wichtig, da sonst in der Trockenzeit die Ziegen und Schafe sowie die klaufreudigen Affen alles ernten würden. Die Frauen sind mit großer Begeisterung bei der Sache und neuerdings gibt es auf vielen Höfen Kopfsalat zu essen und wir bekommen auch diverse Salatköpfe in die Hand gedrückt.
    Wir sind sehr begeistert von der Arbeit des Camps und haben den Eindruck, dass hier wirklich sinnvolle Entwicklungshilfe geleistet wird. Wenn es euch interessiert schaut gerne auf der Seite der Sabab Lou Stiftung vorbei https://www.sabab-lou.de/ausbildungszentrum-gambia/.


    Eine der Haupteinnahmequellen von Balingho ist die Fischerei. Einige junge Männer arbeiten auf eigenen oder auch fremden Fischerbooten in Banjul, wo sie gerne als Balingho Gang bezeichnet werden (Das ist nicht negativ gemeint!). Das ist eher als Anerkennung gemeint. So werden Fischer aus Balingho auch gerne als Steuerleute auf Flüchtlingsbooten angeheuert, auf denen sie und zwei oder drei Freunde dann gratis mitgenommen werden. Daraus ergibt sich dann auch die zweite Einnahmequelle, Geldsendungen vom Sohn in Europa …

    Die Boote der Flussfischer in Balingho sind kleiner, 5–9m, als die der Küstenfischer, 12–15m. Man fischt mit Netzen, welche man mit der Tide den Fluss hoch bzw. runter treiben lässt. Auch gefahren wird meist mit der Tide, egal ob der Antrieb mittels Außenbordmotor oder per Paddel erfolgt. Wenn die Dichtigkeit des Bootes es zulässt wird manchmal alleine gefahren, meist muss aber einer zum Schöpfen mit. Bakary meinte mal stolz zu mir: Ich kann nachts sogar 6 h schlafen ohne zu schöpfen. Ousmane verbrachte bei seinem alten Boot zum Schluss mehr als die Hälfte der Zeit mit Schöpfen. 

    Den größten Teil des Jahres führt der Fluss bei Balingho Süßwasser, aber zum Ende der Trockenzeit, wenn nicht mehr genug Süßwasser aus dem Quellgebiet nachfließt, wird der Fluss immer salziger, da durch die Tide das Salzwasser immer weiter den Fluss hochgedrückt wird. Dann wird in Balingho, 150 km vom Meer entfernt, auch Seefisch gefangen. In der „Süßwasserzeit“ werden meist kleine Fische, Bonga und White Fish, aber auch hin und wieder Captain Fish (in seltenen Fällen auch mal über 50kg schwer) und Barrakuda gefangen. Dann gibt es noch den Catfish, einen länglichen Plattfisch bei dem man die obere Hautschicht mit Heißwasser entfernen muss, da sie giftig ist. Krabben mit etwa Handteller großem Körper und Tigergarnelen gehen hin und wieder ebenfalls ins Netz. Die Tigergarnelen sind vor Jahren mal aus einer Fischzuchtanlage nähe Banjul entkommen und verbreiten sich langsam über den Fluss. Sie sind eine Delikatesse.

    Der Ertrag aus dem Fang wird traditionell nach folgender Formel aufgeteilt: Je ein Teil pro Besatzungsmitglied, ein Teil für den Besitzer des Bootes, ein Teil für den Besitzer des Netzes und gegebenenfalls ein Teil für den Besitzer des Außenbordmotors. 

    In diesem Jahr sind ganze Familien aus Guinea aufgetaucht, welche den Fisch für 250 Dalassi pro 30 Liter Schüssel voll aufkaufen, räuchern und trocknen und im afrikanischen Hinterland (Mali, Guinea), wo Fisch Mangelware ist, verkaufen. Außerdem tauchten plötzlich auch senegalesische Fischer mit ihren viel größeren Booten auf, die ihren Fang direkt an die Familien aus Guinea verkauften. Problematisch daran ist nicht nur, dass sowohl Händler als auch Fischer illegal und ohne Steuern zu zahlen agieren, sondern, dass sie massenweise Kleinstfische aus dem Fluss holen und so großen Schaden anrichten. Die Frauen aus Balingho verdienten sich etwas Extrageld mit dem Putzen der Fische, aber 15 Dalassi pro Schüssel sind dann doch auch in Gambia ein Hungerlohn. So streikten denn die Frauen für mehr Geld und weigerten sich weiter Fische zu putzen. Die Männer wollten mehr Geld für ihren Fisch und am Ende sind dann die Fischersfrauen mit dem Fang ihrer Männer mit dem Dorftaxi (Dreirad Motorrad) in die Stadt gefahren und verkaufen den Fisch auf dem Markt für 800 Dalassi pro Schüssel (75 Dalassi=1€). Jetzt haben die Fischerfamilien mehr Geld, die Händler aus Guinea bekommen kaum noch Fisch und müssen ihn dann auch selber putzen und der Fischaufkäufer, welcher bis letztes Jahr das große Geschäft gemacht hat schaut in die Röhre.

    Die Räucherfischhändler aus Guinea legen Feuer am Ufer, um mehr Platz für neue Räucheranlagen zu schaffen. Im Vordergrund wird völlig unbeeindruckt gebetet. Die Menschen in Balingho sind Fremden gegenüber sehr, sehr freundlich und entgegenkommend, aber am Ende unseres Aufenthalts regte sich dann doch langsam berechtigter Widerstand.


    Nach gut sechs Wochen war es dann Zeit für den Abschied, der wie schon so oft wieder sehr schwer viel. Obwohl wir uns am Abend vor unserer Abreise schon bei allen verabschiedet hatten, kamen am nächsten Morgen noch einmal etliche Freunde zum Strand.

    Links der Imam, auf dessen Hof wir auch immer herzlich Willkommen waren und Menata.
  • Gambia Teil 5


    Bevor wir von unserer Fahrt flussaufwärts erzählen, noch ein kurzer Zwischenbericht zu Ousmanes neuem Boot.
    Einen Riesen Dank an alle die hierfür gespendet haben!
    Wir haben allein von euch 445 Euro (Ca. 33.000 Dalasi) zusammenbekommen. Ousmane ist unendlich dankbar! Vor drei Tagen sind wir zurück nach Banjul gefahren und waren gleich beim Bootsbauer, um den Auftrag zu besprechen. Der Preis liegt bei 25.000 Dalasi. Also sind wir auch gleich noch auf den Markt und haben ein neues Netz mit den dazugehörigen Leinen und Schwimmern besorgt. Auch die Reparatur unseres alten Außenbordmotors, den wir Ousmane geschenkt haben, ist schon im Gange. Mehr dazu, wenn das Boot hoffentlich Ende der Woche fertig ist.



    Flussaufwärts von
    Balingho nach Baboon Island

    Am 16. Januar ging es endlich los, den Fluss hoch Richtung Georgetown/Janjanbureh. Noch einmal ca. 75 nm flussaufwärts zu den Nilpferden, Krokodilen und Schimpansen und endlich einmal etwas anderem als Mangroven als Uferbewuchs. Ousmane begleitete uns, kannte aber auch nur die ersten 50 nm aus eigener Erfahrung als Fischer. Für die meisten Menschen in Gambia ist eine Urlaubsreise ein völlig fremdes Konzept, man reist höchstens um Verwandte zu besuchen oder weil man in Kombo, der Hauptstadtregion etwas zu erledigen hat. Alle Wege führen nach Rom – zwischen Mailand und Turin liegen Welten! Für Ousmane war das also die erste Reise, die er einfach so zum Spaß machte. Und so stellte er fröhlich fest: „Now I‘m a tourist!“ („Jetzt bin ich ein Tourist!“).

    Nachmittags als der Strom kippte, also die Flut einsetzte ging es dann los, zuerst unter der neuen Senegambia Brücke durch, deren Durchfahrtshöhe für uns wirklich ausreichte – die Angaben reichten von ca.17 m bis 20 m. 15,5 m brauchen wir. Blieb nur immer die Frage ob bei Hoch- oder Niedrigwasser gemessen wurde.

    Als wir kurz nach Balingho die Brücke erreichen, war die Aufregung doch recht groß. Passt es, passt es nicht?


    Erst einmal gab es nur Mangroven zu sehen und die üblichen Fischerboote. Erster Stop war dann Bombali, ein kleines Fischerdorf an einem Nebenarm, welcher Elefant Island vom Festland trennt. Elefanten gibt es dort nicht, nur Mangroven, Mangroven. In Bombali, das ich schon von vor zehn Jahren kannte, da ich dort damals eine Solaranlage geschraubt habe, hatten wir mit Bamala, einem Marabu und Freund von Menata, auch eine Anlaufstelle. Vor zehn Jahren war ich mal mit dem Taxi in Bombali, um mir die Situation vor Ort vor der Installation der Solaranlage anzuschauen. Die Straße war damals die Schlimmste, welche ich je in meinem Leben gesehen hatte; jetzt gibt es eine Asphaltstraße mit richtigen Verkehrsschildern, Stromversorgung und Wasser aus dem Hahn auf dem Hof! Bei Bamala gab es natürlich Ataya und Fernsehen – man hat ja jetzt Strom.


    Am nächsten Tag ging es weiter bis ein paar Meilen vor Kaur, wo laut Ousmane ein ganz berühmter Marabu lebt und eine Koranschule betreibt. Mit den Religionen geht es hier gern ein bisschen durcheinander; man ist Imam und gleichzeitig Marabu, kein Problem. Moslems und Christen leben friedlich zusammen, kein Streit , kein Hass. Ausländer sind herzlich willkommen und sind in erster Linie Gast und werden mit durchgefüttert. Lästereien gibt es höchstens anderen Stämmen gegenüber, ähnlich wie bei uns mit den Bayern und den Preussen, den Sachsen und den Thüringern. Das kleine Städtchen Kaur liegt auf einem Hügel – sehr ungewöhnlich für Gambia – und es gibt eine Baustelle für eine riesige Moschee, da so viele Leute wegen dem Marabu dort hinpilgern. 
    Ousmane hält übrigens nicht viel von der „Arbeit“ der Marabus. Die Leute zahlen z.B. sehr viel Geld, damit der Marabu dann ein Gebet für ein Visum für Europa spricht. „Beten kann ich auch allein, da zahle ich dem Mann doch nicht tausende Dalasis!“.

    Die neue Moschee von Kaur thront eindrucksvoll über dem Fluss


    Den darauffolgenden Tag fing die Landschaft am Fluss langsam an sich zu verändern, die Mangroven – salzliebend – gingen zurück und Schilf und Ölpalmen, welche stellenweise direkt im flachen Wasser wachsen, bestimmen jetzt das Bild. In Kintaur werfen wir den Anker und fahren mit dem Dinghi ins Dorf. Dort gibt es eine Lodge für Touristen, in welcher wir uns ein Bier und Ousmane eine Cola spendieren. Die Preise sind doch etwas schockierend, wenn man sonst „afrikanisch“ lebt, 7 Euro für die zwei Bier plus Cola – dafür müsste Ousmane einen Tag fischen gehen. Die Zimmer kosten hingegen nur 10 Euro die Nacht. Auf dem Rückweg begegnen wir der kleinen Fähre, welche eigentlich nur für Fußgänger konzipiert ist aber auf typisch afrikanische Art auch Motorräder mitbefördert.


    Die Palmen gewinnen langsam die Oberhand und auch andere mir unbekannte Baumarten nehmen an den Ufern zu. Bis hier reicht das Salzwasser auch in der Trockenzeit nicht. Wir sind jetzt also „binnen“ unterwegs. Der Fluss mutet jetzt auch eher wie ein Fluss an und nicht wie bisher wie ein großer langgestreckter See. Mehrere Inseln tauchen auf und bleiben mal links und mal rechts liegen. Unzählige Fischernetze liegen quer über den Fluss, Ousmane beruhigt uns: „This Net is to the down.“ – „Dieses Netzt hängt tief.“. Wir können also einfach zwischen zwei Schwimmern in der Mitte durchfahren. Bis irgendwann ein Netz auftaucht, welches mittels winzig kleiner Styroporschnipsel an der Wasseroberfläche gehalten wird. Als wir es bemerken, ist es bereits zu spät, es hängt im Propeller. Also muss das Messer ran – armer Fischer. Aber selbst Ousmane als Fischer schimpft, dass es sich nicht gehört, ein solches Oberflächennetz quer über den Fluss zu spannen ohne in der Nähe zu bleiben und anderen Booten zu signalisieren, wo die Durchfahrt ist. So sind wir ab jetzt etwas langsamer unterwegs, mit dem Knäuel Netz um die Schraube. Ins Wasser steigen und den Propeller freischneiden möchte keiner von uns. Die Flusspferde, deren Köpfe man immer mal wieder aus dem Wasser tauchen sieht, halten uns davon ab. Außerdem ist das Wasser lehmig trübe, sodass man sowieso nichts sieht. Krokodile werden wir während der gesamten Fahrt nicht zu sehen bekommen. Dafür ist die Vogelwelt wirklich faszinierend. Wir erreichen die Baboon Islands, die Inseln, auf denen es Schimpansen gibt – heute allerdings zeigen sie sich nicht. 

    Am Tag darauf treffen wir einen Nationalpark Ranger, welcher superfreundlich ist und ein hervorragendes Englisch spricht, nicht unbedingt der Standard hierzulande. Er bindet sein kleines Kanu an der Planitzer fest und kommt an Bord. Gemeinsam fahren wir rüber zu den Inseln und er ruft die Schimpansen – in ihrer Sprache: „Uch, uch, uch“ und auf Englisch. Dann tauchen sie in den Bäumen am Ufer auf! Irre, unsere nächsten Verwandten in ihrer natürlichen Umgebung beim Früchte ernten und futtern zu sehen. 


    Der Rückweg nach Balingho verläuft weitestgehend ereignislos. An der engsten Stelle der Strecke – zwischen Bombali und Elefant Island kommt uns dann allerdings noch das gefürchtete „Peannut Boat“ entgegen, das flussaufwärts die geernteten Erdnüsse lädt und sie zum Export in den Hafen von Banjul fährt. Ein unmögliches Wassergefährt aus vier riesigen zusammengebundenen Transportlaichtern, gezogen an einer langen Leine von einem altersschwachen, untermotorisierten Motorboot – Manövrierbarkeit: Annähernd Null!. Die Jungs am Steuer sollen auch ständig besoffen und zugekifft sein und obendrein entschließen sie sich kurzfristig von Rechtsverkehr auf Linksverkehr zu wechseln. Leider passieren mit dem Peanut Boat auch immer wieder schwere Unfälle. Als das Boot im letzten Jahr, verbotenerweise, bei Nacht und unbeleuchtet fuhr, sind drei Fischer aus Balingho ums Leben gekommen. Erleichterung macht sich breit, als sie endlich vorbei sind. 

    Das gefürchtete Peanut Boat


    Die letzten fünf Meilen ist Rasmus dann mit uns und wir können bis Balingho segeln. Sieben ereignisreiche Tage liegen hinter uns und wir sind wieder zu Hause.

  • Gambia Teil 4

    Balingho – Ousmane

    Balingho ist ein kleines Fischerdorf am Gambia River welches aus ca. 20 Compounds (= Höfe) besteht und ein paar Hundert Einwohner hat. Die Leute bauen aber auch Reis auf den Flächen an, welche während der Regenzeit und entsprechend hohem Wasserstand vom Fluss überflutet werden. Jetzt ist gerade Erntezeit. Die meisten Familien haben auch ein paar Ziegen oder Schafe, ein paar Hühner und einen Esel.

    Bevor wir im nächsten Beitrag ausführlich über unsere Erlebnisse in Balingho berichten, haben wir heute erst einmal ein anderes Anliegen.

  • Gambia Teil 3

    Auf dem Gambia River von Banjul nach Balingho

    Morgens geht es mit der Flut den Gambia River hinauf. Der Gambia River ist einer der großen Ströme Afrikas, wenn auch bei weitem nicht der Größte. Immerhin transportiert er mehr Wasser als alle großen deutschen Ströme zusammen und ist im Bereich seiner Mündung so breit, dass man von der Mitte aus keines der beiden Ufer sehen kann. Wir haben anfänglich eher das Gefühl auf dem Meer denn auf einem Fluss zu sein. Der Fluss ist etwa gut 160 nm schiffbar und die Tide schiebt gut die Hälfe der schiffbaren Strecke mit 2–3knt. Man fährt also sinnigerweise, wenn der Strom von hinten kommt, also mit der Flut hoch und mit dem Ebbstrom runter. Das erste Tagesziel heißt ankern im Bintangbolong. Bolong nennen sie hier die Nebenarme. Einige davon haben von ihrer Wassermasse her fast schon das Kaliber von Elbe oder Rhein. Die Ufer sind, mit ganz wenigen Unterbrechungen, durchgehend von Mangroven gesäumt. Die Tierwelt oberhalb des Wasserspiegels beschränkt sich auf diesem ersten Stück des Gambia weitestgehend auf Vögel. Diese sind allerdings in unglaublicher Anzahl und Vielfalt vertreten. Wir haben wohl noch nie so viele und verschiedene Vögel, speziell Raubvögel gesehen. Die Spanne reicht vom Afrikanischen Fischadler bis zum Pelikan. Hinter den Mangroven tauchen immer öfter Baobab Bäume mit ihren typischen, riesigen Früchten auf. Allerdings hat sich der Harmattan immer noch nicht ausgepustet, so dass die Sicht nicht übermäßig berauschend ist.

    Am dritten Abend kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir Balingho, wo schon mein Freund Menata und der Alkalo (Bürgermeister) auf uns warten. Wir rufen rüber, dass wir erst noch den Anker ausbringen müssen und total kaputt sind und morgen früh an Land kommen. Am nächsten Morgen sind sie um 7 Uhr bereits wieder am Ufer und warten. Also ab ins Schlauchboot und kurz an Land, umarmen, begrüßen …  Dann aber erstmal zurück an Bord zum frühstücken. Als wir nach dem Frühstück an Land gehen treffen wir meinen anderen Freund Ousmane, auch Ansu genannt, dessen Neffen mich in Banjul wiedererkannt und uns in Balingho bereits angekündigt hatten.
    Wer sich über Ousmanes Aufzug mit Wollmütze und dicker Jacke wundert – in Gambia herrscht gerade die sogenannte Kaltzeit. Das ist der Beginn der Trockenzeit, in der die Temperatur für ungefähr zwei Monate Morgens auf sehr angenehme 16–20 Grad runtergeht. Da das Thermometer tagsüber auf um die 37 Grad klettert, ziehen selbst wir morgens ein Jäckchen über 🙂

  • GAMBIA TEIL 2

    BANJUL

    Gegen 16 Uhr steigen wir gemeinsam ins Dinghi um an Land zu fahren. Für Anne wird sich eine ganz neue Welt auftun – Afrika! Die staubige, brüchige Asphaltpiste, welche von der Pier in das Hafenviertel von Banjul führt, erinnert mehr an eine Mülldeponie als an eine Straße. Endlose Schlangen halbwracker LKWs am Rand und daneben einige, die noch fahren; meist sind sie völlig überladen mit Reissäcken oder Zement, mit Zwiebelsäcken und allem möglichen anderen. Das Viertel heißt Half Die („Hälfte Sterben“) und das bezieht sich zwar auf eine Katastrophe in der Geschichte Banjuls, könnte aber genauso Programm für die nähere Zukunft sein. Zwischen all dem Staub und Müll laufen Nutztiere wie Schafe, Ziegen und Hühner frei herum und picken und knabbern an dem spärlichen Grün, welches sein Leben in den offenen Kanälen der Straßenentwässerung fristet.

    Weiter rein in die Stadt, Banjul hat kaum mehr als 45.000 Einwohner, reiht sich, in den durchweg zwei- bis dreistöckigen Häusern, ein Händler an den anderen. Oft verkaufen sie nur Unmengen eines einzigen Produkts. Einer handelt mit Reis, einer mit Zwiebeln, einer mit Eiern, usw. Außerdem gibt es eine schiere Flut an gefälschten Markenklamotten aus chinesischer Produktion. Vielleicht ist die Inflation der Grund dafür, Ware zu horten. Brot suchen wir an diesem Tag vergeblich. Die drei Banken mit Geldautomat konzentrieren sich an einer Kreuzung – höchste zulässige Abhebung: 4000 Dalasi = 55 Euro. Das entspricht in etwa dem halben Monatsgehalt eines mittleren Beamten.

    Am nächsten Tag gehen wir zum Markt, zum Albertmarkt. Definitiv nichts für schwache Nerven, wenn man noch einen Mindestanspruch an Hygiene hat. Hühnerteile, die halb aufgetaut bei über 30°C auf einer Gehwegplatte liegen und von jedem zweiten in die Hand genommen und begutachtet werden. Dazwischen halb, nein, neun/zehntel verhungerte Katzen und ihr Nachwuchs. Die Katzen vegetieren hier als Vegetarier vor sich hin. Eine sitzt vor einem Haufen Fleisch und traut sich nicht, etwas davon zu klauen. Sie weiß, dass sie zu schwach ist, um mit Beute zu entkommen und sich dafür um so sicherer einen brutalen Fußtritt des Fleischhändlers einfangen wird. Es gibt unansehnliches Gemüse, Plastik Schnickschnack aus China, gefälschte Markenklamotten und, und, und. Wir haben genug gesehen. Ein kleiner Plausch mit der Wache vorm Präsidentenpalast – nein, den Palast dürfen wir nicht fotografieren, das Ministeriumsgebäude daneben schon. 

    Auf dem Rückweg holen wir noch Diesel für die Fahrt den Fluss hoch und Wasser aus der Marinekaserne, der eine Gefreite ist sehr nett und hilfsbereit. und so sitzen wir mit den Soldaten auf winzigen kleinen Bänken, wo auf der Feuerstelle normalerweise der allseits beliebte Attaya -chinesischer Grüntee mit Unmengen Zucker – in einer ziemlich langwierigen Zeremonie bereitet wird. Es wird ausnahmsweise mal kein Dankeschön in Form eines Geldscheins erwartet; vielleicht gebe ich gerade deswegen gern einen Schein mit dem Hinweis: For Attaya. Was sofort alle Mundwinkel nach oben zieht. Am Zugang zur Pier erwarten uns die stets gut gelaunten Leute von der Security und mit einem kühnen Sprung geht es von der Rampe wieder auf den Schwimmsteg, wo unser Schlauchboot angebunden ist. Als ich die zweite Fuhre Diesel zum Mutterschiff bringen will, ruft jemand aus einem Fischerboot: Hey Steve, ich erinnere mich an dich. Ein junger Mann aus Ballingho, der sich noch an meinen letzten Aufenthalt vor zehn Jahren im Dorf erinnert. Er und sein kleinerer Bruder fahren am nächsten Tag mit dem Bus nach Balingho – wir werden also angekündigt … 

    Bei all dem Schmutz und Elend muss allerdings gesagt werden, dass wir uns nie unsicher oder bedroht fühlten. Die Gambier sind ein ausgesprochen fröhliches und freundliches Volk. Als Toubab (so werden hier die Weißen genannt) ist es allerdings unmöglich in der Menge unterzutauchen, man steht unweigerlich im Mittelpunkt des Interesses, wenn man sich nicht gerade in einem der wenigen Touristenressorts an der Atlantikküste befindet. 

    Mitten in der Nacht gibt es noch einmal Unruhe, als bei etwas stärkerem Wind ein Fischerboot mit uns kollidiert. Die Besatzung aus zwei blutjungen Männern und einem vielleicht Dreizehnjährigen ist komplett überfordert und so krachen sie uns mehrmals in die Seite. Naja, unserem Stahlrumpf macht das nicht viel aus; da die Plani sowieso neue Farbe braucht, bereiten uns die Schrammen kein großes Kopfzerbrechen.

35 Antworten zu „Alte Stahlyacht auf neuer Fahrt mit Götz und Anne”.

  1. Wir wünschen euch allzeit handbreit wasser unterm Kiel, viel erlebnisse, alles Gute. Geniesst euer Lebensprojekt mit allem was dazu gehört, bleibt beide schön gesund. Es grüßen und verabschieden euch ganz lieb Bine und Ulf aus wilhelmshorst. Ps: wir halten euren Eltern die „Stange “ und sind als Freunde für sie/euch da. AHOI Matrosen

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  2. Und wie wir an Euch denken! Also ich jedenfalls 🙂 Ich wünsche Euch, dass das Wetter ab sofort nur noch gnädig zu Euch ist! Von hier gibt es nichts aufregendes zu berichten. Dafür kommen bestimmt bald von Euch spannende Geschichten. Also trotz Mühen wünsche ich Euch viel Spaß und gute Stimmung. LG von Michi

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  3. das Like Like war ich nicht!

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  4. Ich wünsche euch eine gute Fahrt, schöne Erlebnisse, Gesundheit und Entspannung.
    Liebe Grüße von Andrea

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  5. Na klar, denken wir an euch! Ihr macht es richtig. Dass es leicht wird, hat niemand behauptet, aber die Eindrücke und Erlebnisse sind sicher bereichernd, unbezahlbar und stärkend. Respekt für euer Vorhaben und die besten Wünsche für eure Reise! Und danke, dass wir teilhaben dürfen! Da krieg ich wieder Fernweh … 🙂
    Liebe Grüße! Doris

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  6. Schön von euch etwas zu lesen. Da war euer Start ja schon gleich ein Erlebnis. Mögen die nächsten Brücken alle offen sein und das Segel ganz bleiben.

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  7. Interessantes Update, tolle Bilder, coole Karten! Ja, ich hab eine Frage: Wechselt ihr euch am Steuerrad auch ab?

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    1. Hey Doris, ja klar wechseln wir uns ab. Auf den Tagesfahrten je nach Laune und Motivation, wenn wir dann mehrere Tage unterwegs sind in Schichten. Auf dem offenen Meer kommt dann allerdings unsere Windfahnensteuerung (sowas wie ein Autopilot) zum Einsatz. Dann muss man nicht mehr am Steuer stehen, sondern nur noch gucken, dass nix im Weg ist und was der Wind so macht.
      Liebe Grüße von der Crew

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  8. Klabautermann

    Mit dem Schiffskapitän flink trinkt und speist: 
    Beim Steuermann sitzt er und wacht die Nacht, 
    Und oben in der Mars, wenn das Wetter kracht.
     
    Ist’s Wetter klar und die Fahrt gelingt,
    So nimmt er die Geige und tanzt und springt, 
    Und alles muß auf dem Deck sich schwingen, 
    Unzählige, selige Lieder singen.
    Nicht Sturm, nicht Wurm, nichts ficht ihn an: 
    Wir haben den wahren Klabautermann!
     
    Hei, entert er auf!  Sei die See auch groß, 
    Klabautermann läßt kein Ende los;
    Er läuft auf den Rahen, wenn alles zerreißt,
    Er tut, was der Kapitän ihn geheißt.
    Und wißt ihr, wie man ihn rufen kann? 
    „Courage“  heißt der Klabautermann

    Paul Gerhard Heims 1888

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  9. nur zur unterhaltung. das likelike ist nicht von mir

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  10. Na das hört sich ja schon jetzt alles sehr abenteuerlich an! Anne, Du siehst voll glücklich aus! 🙂 Habt weiter eine gute Zeit mit wenig Nerv und vielen Eindrücken.

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    1. Liebe Michi, ja uns geht’s beiden ziemlich gut 🙂
      Ich denke oft an euch und hoffe es geht allen gut!

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      1. Avatar von Michaela Klugow
        Michaela Klugow

        mit_G=C3=B6tz_und_Anne_kommentie?= =?UTF-8?Q?rt?= Date: Tue, 20 Jun 2023 15:29:31 +0200 Message-ID: 038401d9a37b$3ed06550$bc712ff0$@mediaservice.de MIME-Version: 1.0 Content-Type: multipart/alternative; boundary=“—-=_NextPart_000_0385_01D9A38C.02603A30″ X-Mailer: Microsoft Outlook 15.0 Thread-Index: AQGqcDCtABz85ZMFrX9p7rcsWrIb0K/yE8iw Content-Language: de X-Provags-ID: V03:K1:SGMNc9CbIdvBA+oRAygLTR0xt8X/8Zillh6dmxjRDB1hJfDzcVK ZSeu+r+z+26wAdqTjcgcT8RSMrgS+XjT1BcCPG7ZgxMYn/eUhIzY7RRlwHzF2/+LQ9mFDck xrBK3gKi40u3LPXy+4w1JoqF1Q19Q47lwV4+qwDbeyjUwXbik7pmY82fgvYDKgx14eum6cX AmP1PX7saDmh1P1hz+QmA== X-Spam-Flag: NO UI-OutboundReport: notjunk:1;M01:P0:2S3eD8a0lvE=;MLNpE95HD5fXMxz0uxa6mYd6Hzj R3JWKp2VUs64aG2ZQCfhNU7XzU3FS5jFakQAez9F/cuvGOZ/I/ciCN7tknvCA0djfz8o9DmSC ns9jWPdcDkFeYGMxoBGSGpkZBCgrpb6cZTCjU1QOe3mrvpS7J/Ffc6JJgkUN5QZN6d/+Uua0j u8yxaokBEg04QyX4vgyEvTNmJ+sNNoY/vV4gKcWR299cVKtMDbom0zPye4Oqdpf7MgGV41APr 5i8+pQNFZR5qBxHSaI6tqIeuG5pd/zPVEpNF1HaKZPWHwlirDZ5HMjKjRZm8+ffRlXFNV+O9k K02Ig/dBw/Kd1dp/x7sy1dgHzwqhBnN/y8HYOqB+FHRGxiOwKZRW38OsGWziLpQMHemCrFaf6 iD9mXfr2EB5Dk+gtlnBwKEAhJYjhpriddL/RgY83EV1mLPTkzSmQa9di+lplUdVgdFyjaViSx l1zyq9aNUyg9BXHDrNIexrvK4ss5qv7bnMFcadQgPAJKjpMK5pe7x+7S+3YcImHBSObUv1TkF VGP1MYuUg/POyU/VvaLxEMAq1A9E47X3TmPdoZbw4GILvi9z0s/CZBrkxI/1EPyR9LQmPLuGS aODCzQfXLfAG9IEshIan5iBzOddHWxOvFkgSiTSGPK/lU9aomKOY5P8mF9LnxcCcNJf0UYGHs e4F/s+Fa8VM7FkTg0vjHsYKMqhnvSAWXGZuJFTY5rw==

        This is a multipart message in MIME format.

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  11. Also das Antworten auf E-Mail funktioniert ganz offensichtlich nicht. Hier die Übersetzung des Kauderwelschs 🙂
    Ups, noch gar nicht geantwortet und schon habt Ihr wieder aufregende Tage hinter Euch. Hier geht’s allen gut! Wir schwitzen inzwischen ordentlich bei 30 Grad. Gut, dass Ihr nun auch Sommer abbekommt. Mit dem Segelwind fühlt sich das bestimmt besser an als die stickige Wärme Berlins. Schöne Bilder macht Ihr. Nur die Vogelbrutplätze sind schlimm anzusehen! Dann weiter gute Reise, passt auf Euch auf und nehmt keinesfalls verdächtige Personen mit!! 

    LG Michi

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  12. Hallo Anne und Götz, ist wohl viel los bei euch und keine Zeit zum bloggen.
    Gebt trotzdem mal ein ganz kurzes Lebenszeichen und wo ihr gerade seid?
    Liebe Grüße, Ellen

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    1. Liebe Ellen, wir sind gestern Nacht in Fowey, Südwestengland angekommen. Morgen gehts weiter nach Falmouth. Das wird unsere letzte Station in England sein. Von dort geht es dann über die Biskaya nach Spanien. England war, was die Segelbedingungen angeht, ziemlich frustrierend und wir sind nur langsam vorangekommen. Aber in Falmouth bleiben wir etwas länger und dann gibts auch einen oder zwei neue Blogeinträge 😁. Liebe Grüße von Götz und Anne

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      1. Vielen Dank, das ist schön zu wissen. Dann gute Fahrt und bis zum nächsten Blog. Liebe Grüße, Ellen

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  13. Schöne Reiseeindrücke. Seid vorsichtig auf der Biskaya! Gruß, LI

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  14. Vielen Dank für den schönen neuen Blog, tolle Fotos und wieder so eine schöne Karte, Anne. So langsam wird man neidisch, wie soll das erst im Winter werden 😉
    Habt ihr jetzt eigentlich irgendwo eine Spendenbüchse aufgestellt?
    Liebe Grüße Ellen

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  15. Hallo, ich bin der Zimmernachbar vom Peter. Wir verstehen uns gut und er war so nett mir euren Block zu zeigen. Coole Sache die ihr da macht und auch sehr informativ. Da Werd ich öfter mal draufschauen. Wünsche euch allzeit gute Fahrt und immer eine Hand breit Wasser unterm Kiel 👍
    LG Sendet Manfred der schon mit 64 ein neues Knie braucht. Euer Papa ist echt gut drauf ….

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  16. 2. Versuch, hatte mich bei der Mailadresse vertippt 🙄

    Hallo, ich bin der Zimmernachbar vom Peter. Wir verstehen uns gut und er war so nett mir euren Block zu zeigen. Coole Sache die ihr da macht und auch sehr informativ. Da Werd ich öfter mal draufschauen. Wünsche euch allzeit gute Fahrt und immer eine Hand breit Wasser unterm Kiel 👍
    LG Sendet Manfred der schon mit 64 ein neues Knie braucht. Euer Papa ist echt gut drauf ….

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  17. Hallo Ihr zwei, da seid Ihr ja gut vorangekommen inzwischen. Echt spannend zu lesen, was Ihr so erlebt. Um die Delphine beneide ich Euch! An uns hier in der Heimat zieht der Sommer, der keiner ist, vorbei. Ständig Regen und nicht besonders warm. Die Hitzeschutzpläne des panischen Herrn Lauterb… können in der Schublade bleiben… Aber zum Arbeiten reicht es 🙂 Schön, Anne, dass Du nicht mehr seekrank wirst. Ich wünsche Euch, dass Ihr pünktlich in Madeira ankommt. Ganz liebe Grüße aus Berlin, von Ingo und Michi

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  18. Diese wunderschönen Bilder…, sie nehmen mich mit an Orte, die ich wohl so nicht sehen werde. Die besondere Erfahrung, sich diesen Regionen von der Seeseite zu nähern, ist doch sehr besonders. Ich freue mich für euch, dass es euch gut geht und ihr so viel Tolles erlebt und seht.
    Anne: ich habe übrigens heute „unseren“ Rock an und denke sehr oft an dich.
    Habt vielen Dank dafür den wunderbaren Blog

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    1. Liebe Sabine, das freut uns sehr! Unser Rock liegt auch hier im Schrank 😁. Ganz liebe Grüße

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  19. Liebe Anne,

    alles Liebe zum Geburtstag aus der Arbeits-Heimat!! Wir hoffen, Ihr habt was zum Anstoßen an Bord 🙂 Ansonsten wieder tolle Bilder und schöne Reisebeschreibung! Habt einen guten Tag heute und überhaupt! Ganz liebe Grüße von Ingo und Michi

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    1. Danke euch beiden 😁. Ja, wir haben inzwischen einen ausreichend großen Weinvorrat an Bord! Ganz liebe Grüße aus ( immer noch) Madeira

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  20. Liebe Anne und Götz,

    schön, wieder etwas von Euch gehört, gesehen, gelesen zu haben und zu wissen, dass Ihr eine schöne Zeit mit der Familie hattet und auch sonst alles i.O. ist bei Euch. Wir wurschteln hier unverdrossen vor uns hin und träumen von der großen weiten Welt 🙂
    Ganz liebe Grüße aus der Arbeitsheimat von Ingo und Michi

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  21. Hallo Ihr Zwei Verrückten,
    danke für die Schilderung der tollen (bis nicht so tollen ;.)) Eindrücke und Erlebnisse. Die Kanaren sind toll. Ich kenne sie natürlich nur als Landratte. Stehen denn die Kapverden noch auf Eurem Plan? Da war ich vor sehr langer Zeit auf Boa Vista. Da steckte der Tourismus dort noch in den Kinderschuhen und es war traumhaft. Wir waren tagelang auf der Insel unterwegs und hatten permanent das Gefühl, die einzigen Menschen zu sein. Aber inzwischen ist das natürlich nicht mehr so. Hier in Berlin ist alles unverändert. Alle freuen sich auf die Feiertage. Übermorgen ist Weihnachtsfeier. Wird bestimmt ruhig, weil einige kränkelnd in den Betten rumhängen.
    Na dann kommt weiter ohne größere Pannen voran und genießt die Freiheit!
    Ganz liebe Grüße von Michi (und olle Inge)

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    1. Liebe Michi und olle Inge 😀, ein frohes neues Jahr euch beiden. Ja, wir werden Mitte Februar von Gambia zu den Kap Verden fahren. Ich bin gespannt, was sich seit deiner Zeit dort verändert hat!
      Liebe Grüße

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  22. und habt natürlich auch schöne Feiertage!!!

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    1. Liebe Anne, lieber Götz,
      danke, wir wünschen Euch das Selbe. …mal gucken, ob es froh wird 😉 Tja, die Feiertage sind rum und wir sitzen wieder hier, als wäre nix gewesen. Nun lassen wir uns überraschen, was dieses Jahr so alles passiert oder nicht passiert. Wetter ist oll, Laune nicht viel besser… Aber jammern hilft nicht. Wir werden uns schon wieder ans ackern gewöhnen. Von den Kap Verden müsst Ihr janz viele Bilder einstellen!! Bis dahin bleibt gesund und munter, kommt gut voran und überhaupt.

      Liebe Grüße aus der Heimat
      Inge und Michi

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  23. Liebe Anne, lieber Götz,

    Wir freuen uns riesig, dass es für ein neues Boot und sogar noch einen Motor und n Netz reicht! Und auch freuen wir uns, dass Ousmane sogar noch eine kleine Urlaubsreise durch/ mit Euch hatte. Was für eine andere Welt. Wir jammern hier in der Heimat echt auf hohem Niveau. Aber ist schon trotzdem alles Wahnsinn. Wir hoffen, Ihr seid gesund und munter unterwegs und wir hören bald wieder was von Euch. LG von Inge und Michi

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  24. Hallo, ich kenne euch nicht persönlich. Wir waren heute morgen bei eurem Papa Peter, der heute Geburtstag hat. Er hat uns diesen blog empfohlen. Hab jetzt hier reingeguckt und bin voll fasziniert von eurem Mut und eurer Abenteuerlust. Wünsche euch alles, alles Gute. Beneide euch um eure Abenteuer. LG Jürgen aus WH.

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    1. Hallo Jürgen, vielen Dank und liebe Grüße aus Rio, Götz und Anne

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  25. Hallo ihr beiden,
    wir haben seit langer Zeit mal wieder in den Blog geschaut. Tolle Erlebnisse, schöne Bilder. Wir gehen in Gedanken immer mit auf eure Reise. Und es ist ganz klar – das ist ein unvergessliches Abenteuer!!!
    Lasst es euch gut gehen, wo auch immer der Kompass euch hinführt.

    Liebe Grüße von den „Satzmäusen“
    Heike und Juliane

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